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Als die Grenze fiel: Aufstellung einer Informations-Stele bei Mustin

Aufstellung der Informations-Stele am Gedenkstein „Deutsche Einheit“. Historiker Hartwig Fischer, Bernhard Reis, Bürgermeister von Mustin, Klaus Becker, Präsident Kreistag Landkreis Nordwestmecklenburg, Klaus Schlie, Landtagspräsident Schleswig-Holstein, Meinhard Füllner, lauenburgischer Kreispräsident und Sigurd Müller, Bundespolizeiabteilung Ratzeburg (v. l. n.r.). Foto: Horst Kömme

Mustin/Roggendorf (pm/koem). Der Ratzeburger „Heimatbund und Geschichtsverein“ hat – wie bereits zuvor auf dem Parkplatz an der „Schönen Aussicht“ in Ratzeburg/Bäk und am Mechower See bei Wietingsbek – am symbolträchtigen 12. November 2016, um 13 Uhr nahe Mustin an der ehemaligen innerdeutschen Grenze an der Bundesstraße 208 unmittelbar neben dem Gedenkstein zur „Deutschen Einheit“ eine große Informations-Stele eingeweiht, um an die Grenzöffnung vor genau 27 Jahren zu erinnern. Viele Bürgerinnen und Bürger sowie Repräsentanten des öffentlichen Lebens waren der Einladung des Ratzeburger „Heimatbundes und Geschichtsverein“ gefolgt.

Die Informations-Stele informiert anhand von zahlreichen Bildern und erläuternden Texten über das tödliche Grenzsperrsystem der DDR. Der mit dem „Barber-Lyaschenko-Abkommen“ vom 13. November 1945 zwischen der englischen und sowjetischen Besatzungsmacht beschlossene folgenreiche Gebietsaustausch von lauenburgischen und mecklenburgischen Gemeinden wird mit einer Übersichtskarte dokumentiert. Die Schleifung von Dörfern wie unter anderem Neuhaus und Lankow im unmittelbaren DDR-Grenzgebiet sowie die Zwangsumsiedlungen der Bewohner in das Innere der DDR werden dargestellt. Über einen QR-Code kann eine kurze Sequenz abgerufen werden, in der die Euphorie über die Grenzöffnung bei Mustin unmittelbar erlebbar wird.

Vor 27 Jahren, am 12. November 1989, 13 Uhr Grenzöffnung bei Mustin: Ein Handschlag unter Grenzern – symbolisch für den Beginn der Wiedervereinigung.

Die „Enthüllung“ der Informations-Stele am Sonnabend hat an demselben Tag und zu genau derselben Stunde wie die Grenzöffnung vor 27 Jahren stattgefunden.  Der Mustiner Posaunenchor umrahmte musikalisch die Veranstaltung. Die Moderation bei der Einweihung der Stele führte der Historiker Hartwig Fischer durch. Grußworte überbrachte der schleswig-holsteinische Landtagspräsident Klaus Schlie. Der Landtagspräsident freute sich über die Aufstellung dieser Stele und führte aus: Dem Verein sei maßgeblich zu verdanken, dass in Mustin an dieses wichtige deutsche Kapitel und dessen historische Bedeutung erinnert werde. Mein tiefer Wunsch ist es, dass wir uns dieses Miteinander bewahren, ohne dass Mauern, Hass und Gewalt uns daran erinnern, was Menschen in einem Land eigentlich zusammenhält.

Der Kreispräsident Klaus Becker überbrachte die Grüße des Kreises Nordwestmecklenburg, der vor 27 Jahren die Grenzöffnung unmittelbar miterlebte. Er freute sich, heute bei dieser Einweihungsfeier dabei zu sein. Als Gastredner berichte der lauenburgische Kreispräsident Meinhard Füllner über die Ereignisse vor und nach der Grenzöffnung. Er will sich dafür einsetzen, dass der Kreis Herzogtum Lauenburg zum Verweilen an diesen historischen Ort noch zwei Bänke aufstellt.

Zum Schluss der Veranstaltung berichtete der ehemaligen Bundesgrenzschutz-Angehörige Wolfgang May als Zeitzeuge in humorvoller Art, wie er als BGS-Beamter die Grenzöffnung in Mustin bewältigen musste.