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Aus den Anden in die grüne Hölle - Rondeshagener absolviert 230 Kilometer-Dschungel-Lauf.

Rondeshagener Oliver Pradetto beendet fünftägigen Dschungel-Ultra-Lauf erfolgreich.
Der Rondeshagener Oliver Pradetto beim Extremlauf durch den Amazonas-Dschungel in Peru. Fotos: hfr

Rondeshagen (pm). Läufe im Amazonas-Dschungel zählen unter Extremsportlern zu den schwersten Ultra-Läufen. Heiße Temperaturen gepaart mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit, ein schwieriges Laufterrain und quälende Insekten gehören zu den wesentlichen Herausforderungen in dieser Laufkategorie.

Der Dschungel-Ultra von „beyond the ultimate“ ist daher nur etwas für besonders versierte Extremläufer. Fünf Tage lang geht es über 230 Kilometer in das Herz der grünen Hölle. Der Lauf beginnt auf einem der letzten Andenausläufer in einer Höhe von zirka 3.000 Metern und führt dann immer tiefer in den dichten Dschungel. Allein in der ersten Stunde durchlaufen die Läufer beim Abstieg in das Amazonas-Becken fünf verschiedene Vegetationszonen, was die Region in Peru zu einem der interessantesten Forchungsgebiete für Biologen weltweit macht. Die Läufer sind dabei eng mit der Natur verbunden und schlafen auch im freien. Dafür haben die Läufer spezielle Hängematten mit Moskitoschutz über die eine Regenplane gespannt wird.

Der Rondeshagener Oliver Pradetto gehört zu insgesamt 31 Läufern, die dieses Rennen Anfang Juni erfolgreich beenden konnten. Nach fünf Tagen und einer Gesamtlaufzeit von 38 Stunden lief der Norddeutsche im Ziel als dreiundzwangister im Ziel Pilcopata, Peru ein.

Mehr als 80 Flussdurchquerungen waren auf der Strecke zu absolvieren. „Für tiefere Gewässer stellten uns die Einheimischen Boote oder Seilrutschen zur Verfügung“, erklärt Pradetto. „Die meißten Gewässer durchquert man aber zu Fuss. Das Wasser geht mal bis zu den Knöcheln und mal bis zur Brustwarze. Das war bei den Schlammlöchern auf einigen Wegen leider genauso.“ Teilweise watet man stundenlang durch Flüsse, weil diese nicht selten als Wege dienen. Im schnell zu wachsenden Dschungel sind Bäche und Flüsse oftmals die einzige Möglichkeit sich fortzubewegen, so vergeht kein Tag an dem die Läufer nicht mit nassen Füssen zu kämpfen hätten.

„Was einmal nass ist, trocknet nicht mehr. Die Luftfeuchtigkeit liegt in der Regel zwischen 90 und 100 Prozent“, berichtet Pradetto. So gäbe es vor allem zwei Gründe im Lauf zu scheitern. Der eine sei Dehydration, wenn der Körper versucht die Hitze durch schwitzen auszugleichen, aber an der hohen Luftfeuchtigkeit scheitert und im Ergebnis noch mehr schwitzt. In der Folge müssten die Läufer zwischen sechs und acht Litern täglich trinken, um nicht auszutrocknen. Der zweite Grund sei die Fusspflege: Dauernd nasse Füße, Matsch in den Schuhen und lange Läufe auf schwerem Untergrund verwandeln früher oder später jeden Fuss in blutige Klumpen.

Sicher fühlen können sich die Läufer dennoch, denn die Wegstrecken werden von Einheimischen gründlch markiert, so dass sich niemand im dichten Dchungel verirrt. Für den Notfall hat jeder Läufer Satelliten-Transmitter bei sich mit denen zur Not schnell Hilfe angefordert werden kann. An den Checkpoints sind jeweils mehrere erfahrene Mediziner vor Ort. Trotzdem lassen sich nicht alle Risiken ausschließen. „Im Grunde wird man ständig gebissen oder gestochen. Die Moskitos sind dabei zweifelsohne am gefährlichsten, da sie Malaria oder auch Dengue-Fieber übertragen können. Am nervigsten fand ich persönlich aber die Ameisen. Es reicht, dass Du einen Baum streifst und schon hast Du dutzende Viecher auf Dir rumkrabbeln, die dann sofort beißen. Ich habe in den fünf Tagen bestimmt allein ein Kilo Insekten auf meiner Haut zerquetscht.“

Über Oliver Pradetto

Oliver Pradetto ist 45 Jahre alt und wohnt mit seiner Familie in Rondeshagen. Beruflich ist er Geschäftsführer des Lübecker Unternehmens blau direkt, das bundesweit mehr als 120 Mitarbeiter beschäftigt. Seine Leidenschaft gehört dem Trail-Running, Wettläufen bei denen es quer-feld-ein durch die Landschaft geht. Oliver Pradetto hat bereits an über 50 Wüsten-, und Bergläufe teilgenommen, immer mit einer dreitstelligen Gesamtkilometerzahl. Neben mehreren Alpenüberquerungen gehören auch Läufe in Namibia, im Everestgebirge oder dem im Winter zugefrorenden Baikalsee zu seinen persönlichen Highlights.