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Beatles Spektakel im Ratzeburger Dom

Meister des jüdischen Klezmers, überraschte Giora Feidman mit einer instrumentalen Interpretation der Beatles. Foto: Gabi Finck

Giora Feidman, Magier der Klarinette, war am gestrigen Sonntag (29. Januar) zu Gast im Dom von Ratzeburg. Obwohl das Konzert nicht auf der Website des Doms angekündigt war, war die Kirche fast voll besetzt.

Kennt man ihn sonst nur als Meister des jüdischen Klezmers, überraschte der 81jährige Feidman mit einer instrumentalen Interpretation der Beatles. Dabei kamen nicht nur Beatles Kenner auf ihre Kosten, auch das weltweit gefeierte Rastrelli Cello Quartett konnte begeistern.

Niemand sonst versteht es so gut, weiche fast zärtliche Töne seiner Klarinette zu entlocken, wie der argentisch-israelische König des Klezmer Giora Feidman. In einer Musikerfamilie groß geworden, gehört für ihn Singen und Tanzen zum Leben dazu und auch die Botschaft, die in allen Liedern mitschwingt: Musik als Sprache, die von aller Welt verstanden wird. Gerade die Beatles haben es in seinen Augen geschafft, die gesamte Welt zu vereinen: „Der ganze Planet war durch dieselbe Melodie verbunden. Wir sind doch eine Familie“, erklärt Feidman dem Publikum im Ratzeburger Dom. Dann setzt er seinen hölzernen Zauberstab an die Lippen und zieht die Zuhörer mit einer jazzig-kammermusikalischen Interpretation der Beatles in seinen Bann. Dabei ist das ungewöhnliche Arrangement, Cello, Klarinette und sogar Harfe miteinander zu verbinden, äußerst gut gelungen. Bei „Dizzy Miss Lizzy“ sieht man vermehrt mitwippende Köpfe und Füße im Saal, vielen scheint es schwer zu fallen, auf den Sitzen zu bleiben und nicht das Tanzbein zu schwingen.

Feidman strahlt einen unwiderstehlichen Enthusiasmus aus, er verteilt Kusshände ins Publikum und hat sichtlich Freude am Spielen. Die Cellisten quittieren seinen Überschwang mit durchgehendem Schmunzeln. Während Feidman noch nach alter Schule von einem Notenblatt aus Papier abliest, verwendet das russische Streichquartett eine digitale Notenstele, welche unauffällig mit einem Fußpedal bedient wird.

Bevor als Zugabe noch das legendäre „Hej Jude“ durch die Kirchenhallen tönt, in einer Standing Ovation von allen mitgesungen, lässt es sich Feidman glücklicherweise nicht nehmen, noch kurz zum Freylach aufzuspielen. Dabei hält er den Ton eine gefühlte himmlische Ewigkeit lang und kräftig. Klezmer: Das ist es, wofür wir ihn kennen und lieben!