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Düchelsdorf schafft seine Feuerwehr ab

Gemeinderat nimmt Verhandlungen mit Kastorf auf
Allen Argumenten pro Sierksrade zum Trotz votierten die Gemeinderatmitglieder einstimmig dafür, Gespräche mit der Gemeinde Kastorf aufzunehmen. Foto: Nimtz

Düchelsdorf (aa). Wie die Dinge momentan stehen, wird die Freiwillige Feuerwehr in der 140 Seelen Gemeinde Düchelsdorf in Kürze abgeschafft. Die Mitglieder der Gemeindevertretung planen und prüfen derzeit die gesamte Verantwortung der Gemeinde nach dem Brandschutzgesetz auf einen Dritten zu übertragen. Zum Entsetzen vieler Anwesender auf der gestrigen Gemeindevertretersitzung liebäugeln die Düchelsdorfer Gemeindevertreter aber nicht mitdem längjährigen Partner, der direkten Nachgemeinde Sierksrade, sondern mit Kastorf.

Rund drei Kilometer westlich von Berkenthin befindet sich die Gemeinde Sierksrade mit seinen rund 370 Einwohnern. Durchquert man das Dorf weiter in westlicher Richtung, gelangt man nach wenigen hundert Metern in die Gemeinde Düchelsdorf. Wäre hier kein Ortsschild, wäre nicht erkennbar, wo Sierksrade aufhört beziehungsweise Düchelsdorf anfängt. Kein Wunder also, dass beide Ortschaften in enger Symbiose zu einander leben. Hierzu zählen unter anderem gemeinsame Feste, gegenseitige Besuche und andere Aktivitäten. Auch die Freiwillige Feuerwehr gehört dazu, wie viele Einheimische berichten. Gerade in so kleinen Gemeinden seien diese der Kitt, der die Gemeinschaft zusammenhalte. Im Falle von Sierksrade und Düchelsdorf sind durch diejeweiligen Feuerwehren die beiden Dörfer sogar noch enger zusammengewachsen.

Im Jahr 2005 wurde die Freiwillige Feuerwehr Düchelsdorf in die Sierksrader Wehr integriert. Seitdem hatte Düchseldorf eine vertragliche Vereinbarung mit der Nachbargemeinde, in der die Durchführung von Aufgaben nach dem Brandschutzgesetzt mit Ausnahme der Löschwasserversorgung auf die Gemeinde Sierksrade übertragen wurde. Bei Abschluss der Vereinbarungen hatte die Düchelsdorfer Wehr noch sechszehn aktive Kameraden, die ab da die Löschgruppe Düchelsdorf bildete.

"Eigentlich ist doch eine Feuerwehr" - Kreisbrandmeister Michael Raddatz sprach sich dafür aus, die Zusammenarbeit mit Sierksrade fortzusetzen und gewachsene, funktionierende Strukturen nicht zu zerstören. Foto: Anders

Die Gruppe ist jedoch mittlerweile auf vier aktive Brandschützer geschrumpft. „Der Vorstand der Feuerwehr Sierksrade, aber auch die Gemeinde Sierksrade habe die Gemeinde Düchelsdorf daher mehrfach darauf hingewiesen, dass der Brandschutz insgesamt nur gewährleistet und die geschlossenen Vereinbarungen eingehalten werden können, wenn aus Düchelsdorf weitere ehrenamtlich Tätige den Dienst in der Löschgruppe Düchelsdorf aufnehmen“, heißt es in einem Papier des Amts Berkenthin. Doch zahlreiche Gespräche sowie „Marketing-Maßnahmen“ brachten keine Besserung, es blieb bei vier Düchelsdorfer Kameraden. Die Gemeinde Sierksrade sah sich daher gezwungen die Vereinbarung von 2005 mit Wirkung zum 31. Dezember 2014 zu kündigen, um dann auf Grundlage der gegenwärtigen Verhältnisse eine neue Vereinbarung zu schaffen.

Doch in der Gemeindevertretung Düchelsdorf sieht man das anscheinend anders. Diese entschied gestern einstimmig, Verhandlungen mit dem 2,5 Kilometer entfernten Kastorf aufzunehmen. Eine Entscheidung, die in dieser Deutlichkeit gestern sehr viel Unverständnis bei einem Großteil der rund 40 Zuhörer hervorrief. Zuvor mahnten drei gewichtige Stimmen, die Entscheidung nochmals zu überdenken und den entsprechenden Tagesordnungspunkt wieder zurückzuziehen. Sowohl die Kastorfer als auch die Sierksrader Wehr seien in der Lage, die geforderte Aufgabe bestens zu erfüllen, erklärte zunächst Kreisbrandmeister Michael Raddatz. „Allerdings muss man auch die Vergangenheit sehen. Düchelsdorf und Sierksrade ergeben ein homogenes Gesamtbild“, lobte Raddatz die bisherige Kooperation beider Wehren. Nach Vorgesprächen sei er zudem nicht überzeugt, dass die verbliebenen Düchelsdorfer Kameraden nach Kastorf wechseln würden. „Ich favorisiere eine bleibende homogene Mannschaft Sierksrade – Düchelsdorf“, bezog der Kreisbrandmeister Stellung. Zudem gab er zu bedenken, dass im Falle der Einigung mit Kastorf die Düchelsdorfer Wehr aufgelöst werden müsste. Viele ehemalige Aktive, heutige Ehrenmitglieder, verlören damit ihre Anlaufstelle. Der Vorschlag des Kreisbrandmeister lautete, eine gemeinsame Wehr Sierksrade-Düchelsdorf zu gründen.

„Ich sehe das genauso wie der Kreisbrandmeister“, sagte Frank Hase, Leiter der Amtsverwaltung Berkenthin, „Wir als Amtsverwaltung sehen mehr Gemeinsamkeiten mit Sierksrade. Ich sehe zudem die Gefahr, dass das gute Verhältnis zur Gemeinde Sierksrade Schaden nehmen könnte.“
 „Ob man sich leiden mag oder nicht, mit meinem Nachbarn muss ich zurecht kommen“, gab Amtsvorsteher Karl Bartels zu bedenken. Die Entscheidungsträger sollten daher das Pirvate und Persönliche von der anstehenden Entscheidung trennen. „Ich appelliere auch an euer Selbstverständnis als Gemeinde. Wir kämpfen seit Jahren auf allen Ebenen, die Selbstständigkeit unserer Dörfer zu erhalten“, sagte Bartels. Die Auslagerung des Brandschutzes und die damit verbundene Auflösung der Feuerwehr wäre das falsche Zeichen. Bartels: „Ich denke, der Erhalt der Feuerwehr ist zu schaffen. Sie sollten alles noch mal 'sacken' lassen und heute noch keinen Beschluss fassen.“

Ein weiteres Argument pro Sierksrade, das während der Einwohnerfragestunde nicht unerwähnt blieb: Kosten für den Brandschutz wären für Düchelsdorf künftig erheblich teurer, wenn die Aufgabe an Kastorf übertragen würde. Die Amtsverwaltung in Berkenthin geht bei einer Entscheidung für die Gemeinde Kastorf von rund 8.600 Euro pro Jahr aus. Bliebe es bei der Zusammenarbeit mit Sierksrade wären es nur zirka 6.400 Euro pro Jahr.

Der darauf folgende Tagesordnungspunkt 6, „Sicherstellung des Brandschutzes in der Gemeinde Düchelsdorf“, dauerte dann nur wenige Augenblicke. Einstimmig hoben die Gemeinderatsmitglieder die Hand und wischten alle vorgebrachten Argumente mit einem Federstrich beiseite. Bürgermeister Adolf Kaths (Foto rechts) verkündete kurz und bündig den Beschluss: „Wir wollen mit den Kastorfern in Verhandlung treten.“

„Ich weiß, dass einige enttäuscht sind, aber wir haben das aus Düchelsdorfer Sicht entschieden“, versuchte Kaths die soeben getroffene Entscheidung zu erklären und erntete bei den anwesenden Feuerwehrleuten aus Kastorf und Sierksrade nur ungläubige Blicke, bevor diese gesammelt die Veranstaltung verließen.

„Natürlich sind wir jetzt erstmal alle enttäuscht“, kommentierte Sierksrades Bürgermeister Christian Prüsmann den Beschluss. Wir sollten in dieser Phase nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, sondern erstmal abwarten. Noch sei nichts entschieden. Prüsmann: „Die Zusammenarbeit der Wehren war immer gut und hat immer geklappt. Wir als Gemeinde stehen daher Gesprächen nach wie vor offen gegenüber.“

Kreisbrandmeister Michael Raddatz kündigte noch am Montagabend nach der Gemeinderatssitzung an, am nächsten Tag mit der Kreisverwaltung zu telefonieren, um der Düchelsdorfer Wehr ab 1.1.2015 die Leistungsfähigkeit abzuerkennen. Zudem müssen nach Auskunft von Frank Hase bis zur endgültigen Abwicklung der Düchelsdorfer Feuerwehr noch weitere Beschlüsse gefasst werden. Unklar ist unter anderem das Schicksal des Einsatzfahrzeuges. Weiterhin sind die Düchelsdorfer Einwohner im Rahmen einer Einwohnerversammlung über die endgültige Entscheidung zu unterrichten.

Herzogtum direkt erkundigte sich am Tag nach der Sitzung bei Bürgermeister Adolf Kaths zu den Hintergründen der Entscheidung:

Herzogtum direkt: Herr Kaths, bei den gestern vorgebrachten Argumenten, die allesamt für die weitere Zusammenarbeit mit Sierksrade sprechen, fällt es als Außenstehender schwer, den Beschluss der Gemeindevertretung nachzuvollziehen.

Adolf Kaths: Wir sind von Sierksrade gekündigt worden. Wir haben dann Kastorf gefragt und Kastorf sagte, dass sie uns nicht im Stich ließen.

Herzogtum direkt: Aber wäre die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der direkten Nachbargemeinde Sierksrade nicht naheliegender, nicht zuletzt wäre dieses sogar die günstigere Variante.

Adolf Kaths: Es sind seitens Sierksrade Zahlen gefallen, die nicht nachvollziehbar sind. Die vorliegenden Zahlen für Kastorf und Sierksrade sind lediglich Planungszahlen. Es geht uns nur um den Brandschutz und diesen in sicheren Händen zu sehen. Und da ist Kastorf der bessere Partner. Lasst uns erstmal verhandeln, dann kriegen wir auch ordentliche Zahlen auf den Tisch. Wir tun uns mit dieser Entscheidung nicht leicht, aber es herrscht Einigkeit im Gemeinderat.


Kommentare

Unfassbar, wieviel Inkompetenz und Ignoranz so ein Gemeinderat einschl. Bürgermeister an den Tag legen kann. Da fragt man sich, ob diejenigen sich bewusst sind was sie tun, oder ob es vielleicht besser wäre eine komplette "Neubesetzung" zu wählen. Ich dachte bis heute, dass der Gemeinderat für das Wohlergehen der Bevölkerung innerhalb der Gemeinde zuständig sei und nicht zum ,, bloßstellen ". Man kann nur hoffen, dass kastorf sich aus den verhandlungen zurück zieht und die enorme sturheit seitens düchelsdorf ein ende hat und sie sich mit sierksrade einig werden. Zum wohle der Bevölkerung. Mal ganz ehrlich: es brennt in düchelsdorf, welche wehr ist denn wohl schneller da?? Sollte die sturheit dennoch siegen, müssten die düchelsdorfer eine pflichtfeuerwehr gründen. vielleicht dämmert es ja dann. Aber Respekt, dass nicht einmal die "Hoheiten" des Amtes für voll genommen wurden!!!