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Den Buern sien Oorn-Tied - Des Bauern Erntezeit

Foto: Friedrich J. Flint

Den Buern sien Oorn-Tied

 

Des Bauern Erntezeit

Dat Korn

Vergangen Harvst mit Drillmaschin,

keum ick as Saat in’t Erdriek rin.

As in de Bibel, Markus veer,

keum Gott sien Segen up de Eer.

an’n Halm heff ick heel vulle Ohr

mit Köörner is mien Kopp so swor.

 

Nu bün ick riep, de Oorn geiht los.

De Döscher kümmt un ganz famos

meiht hei mi dal, schedt Korn vun Kaff

un legt mien Stroh in Regen aff.

 

Das Korn

Im vorigen Herbst mit Drillmaschine

kam ich als Saat in die Erde.

Wie in der Bibel, Markus 4

kam Gottes Segen auf die Erde.

Am Halm hab ich ganz volle Ähren.

Mit Körnern ist mein Kopf so schwer.

 

Nun bin ich reif, die Ernte beginnt.

Der Drescher kommt und ganz einfach

mäht er mich ab, trennt Korn vom Kaff

und legt mein Stroh in Reihen ab.

De Buer

De Raps mit lange Schoten prahlt,

den Gassen hett de Sünn bestrahlt,

de Weten woogt in’n Wind wo schön,

de Haber riept vun ganz alleen.

 

Na Pleugen, Egen, Drillen, Sprütten,

dor kümmt de Lohn nu so bilütten,

för all de Meuh dat ganze Johr,

wen’t Korn makt grote Hängers swor.

 

Der Bauer

Der Raps prahlt mit langen Schoten.

Die Gerste wurde von der Sonne bestrahlt,

der Weizen wogt herrlich im Wind,

der Hafer reift von ganz allein.

 

Nach Pflügen, Eggen, Drillen, Spritzen

kommt der Lohn nun so langsam

für alle Mühe, das ganze Jahr,

wenn das Korn die Hänger schwer macht.

 

De Meihdöscher

Ick bün en technisch Wunnerwark

as poor hunnert Peer, so stark

drifft mien Motor dissen Kassen,

fritt dat Korn in grote Massen.

 

Ick snie de Halms mit en scharp Mess,

de Trummel döscht de Körner ut,

dat Stroh kümmt achtern dörch de Press,

or malins ok as Hackels rut.

 

 

Der Mähdrescher

Ich bin ein technisches Wunderwerk,

wie einige hundert Pferde, so stark

treibt mein Motor diesen Kasten,

frißt das Korn in großen Massen.

 

Ich schneide die Halme mit einem scharfen Messer ab.

Die Trommel drischt die Körner aus,

das Stroh kommt hinten durch die Presse

oder auch mal als Häcksel raus.

De Kutscher

As Fohrer vun dat Veelzweckdeert

heff ick toeerst mal allens smeert,

füll Öl un Diesel in den Tank.

Denn mit Hurra de Straat henlang.

 

Fohr na de Koppel, Meihwark ran,

un mit Gebrumm fang’t Döschen an.

In mien Kabien de Monitor

he wiest keen Störkram an, all’ns klor!

 

De Buersfro

Nu huult de Döscher all veer Stunn.

Glatt afmeiht hett he meist söss Tunn.

Gliek hölt de Fohrer eerstmal an.

Denn gah ick liesen na em ran,

 

bring em to Drinken heit or kold

dat vun den Sweet hei sick verholt.

To Eeten kriggt hei achteran

wenn’t Feld is leer und Arbeit dan.

 

Der Mähdrescherfahrer

Als Fahrer dieses Vielzweckgerätes

habe ich zunächst alles geschmiert,

Öl und Diesel in die Tanks gefüllt.

Dann mit Hurra die Straße entlang.

 

Fahr auf den Acker, bau das Schneidwerk an.

Mit Gebrumm beginnt das Dreschen.

Der Monitor in meiner Kabine

zeigt keine Störung an, alles OK.

 

Die Bauersfrau

Nun heult der Drescher schon vier Stunden,

hat bereits sechs Tonnen abgemäht.

Gleich macht der Fahrer eine kurze Pause.

Dann geh‘ ich leise zu ihm hin.

 

Bringe ihm zu Trinken, heiß oder kalt,

damit er sich vom Schwitzen erholt.

Zu Essen bekommt er später,

wenn das Feld leer ist und die Arbeit getan.

De Silo

Frisch utfeegt un vun Spinnen fri,

so stah ick hier, heff nix in mi.

Doch, dor kümmt mit föftig Saken

de Jungbuer an, mi full to maken.

 

De Hänger hett recht veel Gewich:

Dat gifft in mi en dicke Schich.

Ick bün dat Portmonne vun’n Buern,

bün vull ick, kann hei nich versuern.

 

Der Silo

Frisch ausgefegt und frei von Spinnen,

so steh ich hier, hab nichts in mir.

Doch da kommt mit fünfzig Sachen

Der Jungbauer an, um mich zu füllen.

 

Der Hänger hat viel Gewicht.

Das gibt eine dicke Schicht in mir.

Ich bin das Portemonnaie des Bauern;

bin ich voll, kann er nicht versauern.

Fröher

Fröher is dat anners gahn.

Mit de Leih füngt Meihen an,

Garben binnen un denn hocken,

denn to Böhn an, mit den Roggen.

 

In’n Winter keum de Döschmaschin.

Mit vullen Sack un frohe Mien

güng’t Johr to Enn un alle Lüüd,

fiern Wiehnachten, grad so as hüüt.

 

Früher

Früher ging alles anders:

Mit der Sense begann das Mähen,

Garben wurden gebunden und aufgehockt,

danach auf den Boden mit dem Roggen.

 

Im Winter kam die Dreschmaschine.

Mit vollem Sack und froher Mine

Ging das Jahr zu Ende und alle Leute

feierten Weihnachten, grad so wie heute.

Oorndank

So sorgt de Buer johr-in, johr-ut

för Mehl un Brot un deelt dat ut,

dat all de Lüüd keen Hunger lied,

as Lukas sä, vör lange Tied.

 

Wi dankt hüüt Gott för all de Gaav,

un jeder kriggt dorvun wat af,

Wi beed , dat dat so blieven mag;

woll bet an unsen letzten Dag.

 

Erntedank

So sorgt der Bauer jahrein, jahraus

für Mehl und Brot und teilt es aus,

damit niemand Hunger leidet,

wie Lukas sagte vor langer Zeit.

 

Heute danken wir Gott für alle Gaben.

Und jeder bekommt davon etwas ab.

Wir beten, dass es so bleiben mag,

bis an unsere letzten Tage.

 

 

 

Markus 4, Vers 2-9

Lukas 12, Vers 13 -21

 

Alfred Gatermann