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Dreister 'Bankraub' an der Gedenkstätte Mustin

"Einsitzen" der Sitzgruppe am 19. Mai 2017. Foto: hfr

Mustin (pm). Kreispräsident Meinhard Füllner und Landrat Dr. Christoph Mager sind über einen dreisten Bankdiebstahl an der Gedenkstätte B208/Mustin an der ehemaligen innerdeutschen Grenze tief bestürzt (Herzogtum direkt berichtete). Die vom Kreis Herzogtum Lauenburg erst vor zehn Tagen gespendete Sitzgruppe neben dem Gedenkstein zur „Deutschen Einheit“ und der vom Ratzeburger „Heimatbund und Geschichtsverein“ errichteten Informations-Stele ist am vergangenen Wochenende zum Teil gestohlen worden.

Der Dieb oder die Diebe haben eine Bank und den Tisch der Sitzgruppe entwendet, so dass nur noch eine Bank steht. Mit den Worten „kriminell, anstandslos, respektlos“ verurteilten beide Kreisvertreter den Diebstahl und fügten hinzu „Da gehört schon ein großes Maß an Unverfrorenheit dazu. Das ist Schändung eines Ortes, der die Erinnerung an die unsägliche deutsche Teilung wachhalten soll“. Füllner und Mager wünschen sich, dass der Täter das Diebesgut zurückbringen möge. Gleichzeitig setzten sie eine Belohnung von 100 Euro für sachdienliche Hinweise aus, die zur Aufklärung des Diebstahls führen. Ob die Sitzgruppe zu einem späteren Zeitpunkt komplettiert werden soll, werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

Die aus zwei Bänken und einem Tisch bestehende Sitzgruppe war durch Meinard Füllner am 19. Mai 2017 in einer kleinen Feier zum „Einsitzen“ freigegeben worden. Etwa 30 Interessierte aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg und dem Landkreis Nordwestmecklenburg waren der Einladung des Kreispräsidenten gefolgt. Der Kreispräsident wies in seiner Ansprache darauf hin, dass dieser Ort unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze sich durch die Aufstellung der Sitzgruppe optimal dazu eigne, über die Geschichte der Teilung Deutschlands und der Wiedervereinigung nachzudenken, Fragen zu stellen, innenzuhalten und zugleich soziale Kontakte zu knüpfen. Nach dem Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 habe er jeweils an diesem Jahrestag in Mustin an der Grenze für eine Überwindung der Teilung Deutschlands geworben und vor 27 Jahren sei die Deutsche Einheit erreicht worden. Er dankte dem Ratzeburger „Heimatbund und Geschichtsverein“ für die Aufstellung der Informations-Stele, die den Besuchern dieser Gedenkstätte einen unmittelbaren Eindruck von der ehemaligen innerdeutschen Grenze ermögliche.

Hartwig Fischer vom Ratzeburger Heimatbund bedankte sich bei dem Landrat und dem Kreispräsidenten für die Aufstellung der Sitzgruppe. Es gäbe in ganz Schleswig-Holstein keinen vergleichbaren historischen Ort, an dem mit einem Gedenkstein zur „Deutschen Einheit“ und einer großen Informations-Stele zusammen mit der Sitzgruppe an die überwundene Teilung Deutschlands erinnert werde. Der Historiker erinnerte an die tragischen Todesfälle an der innerdeutschen Grenze nahe Mustin wie in Goldensee und Kneese. Es sei der „schönste Fehler“ eines Politikers in der deutschen Geschichte gewesen, als am 9. November 1989 der SED-Staatssekretär Günter Schabowski in einer abendlichen Pressekonferenz auf die Frage zum Inkrafttreten der neuen Reiseregelung verklausuliert antwortete „Das trifft nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“. Die Grenzöffnung in Mustin am 12. November 1989 werde kein Zeitzeuge je in seinem Leben vergessen. Mit Blick auf die Inschrift des Gedenksteins betonte Hartwig Fischer, wie wichtig der vom Dichter Hoffmann von Fallersleben geprägte Dreiklang „Einigkeit und Recht und Freiheit“ sei. Es sei Aufgabe jeder Generation, sich im Staat für eine funktionierende Gewaltenteilung und die Beachtung des Prinzips „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ einzusetzen.