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'Ein großartiger Musiker, der den Schalk im Nacken hat'

Interview mit Jörg-Rüdiger Geschke über Terje Isungset und seine Eismusik
Jörg-Rüdiger Geschke vom Folkclub Herzogtum Lauenburg spricht über den Auftritt des norwegischen Perkussionisten Terje Isungset. Foto: kulturportal-herzogtum.de

Mölln (kp). Am Donnerstag, 18. Januar, zelebriert Terje Isungset im Möllner Stadthauptmannshof seine Eismusik (Herzogtum direkt berichtete). Zu verdanken ist dieser spektakuläre Auftritt vor allem Jörg-Rüdiger Geschke vom Folkclub Herzogtum Lauenburg, der den norwegischen Perkussionisten persönlich kennt. Das Kulturportal (KP) sprach mit Geschke über den Aufwand, den so ein Konzert mit sich bringt, die ungewöhnliche Musik und den Künstler, der sich dahinter verbirgt.

Kulturportal: Herr Geschke, jemand, der mit Eis Musik macht – das hört sich eher nach einem Scherz an.

Jörg-Rüdiger Geschke: Das ist schon ziemlich verrückt und klingt im ersten Moment so ein wenig nach: Ich mach das mal, weil mir sonst nichts mehr einfällt und ich damit die Aufmerksamkeit auf mich ziehen kann.

KP: Wann und wie sind Sie überhaupt an die Eismusik von Terje Isungset geraten?

Geschke: Irgendwann – so ganz genau weiß ich das nicht mehr – habe ich davon gehört, dass es da jemanden in Nordnorwegen gibt, der aus Eis Blasinstrumente oder Selbstklinger* baut und darauf spielt.

KP: Aber so eine Eis-Performance haben Sie bislang noch nicht gehört?

Geschke: Nein. Den Musiker Terje Isungset kannte ich schon, bevor ich erfuhr, dass er es ist, der die Eismusik macht. Er ist in der Perkussionsszene sehr bekannt. Ich selbst habe ihn zum ersten Mal bei einem Konzert mit der Sängerin Kari Bremnes gesehen. Da spielte er statt auf Bongos und Co. mit selbstgebauten Naturinstrumenten. Nachdem ich auf der Folkbaltica seinen Agenten angesprochen habe, ist er schließlich 2011 im Rahmen der Folksfesttour im Stadthauptmannshof aufgetreten.

KP: Jetzt kommt er mit seiner Eismusik nach Mölln. Wie kam es dazu?

Geschke: Ich habe mit ihm darüber eigentlich nur gescherzt. Denn der Aufwand für so ein Konzert ist eigentlich eine Nummer zu groß für uns. Man muss dafür eine aufwändige Technik bereitstellen und darauf hoffen, dass es möglichst windstill ist und nicht regnet oder schneit. Mit anderen Worten: Die Sache ist nicht ganz billig und nur möglich, weil Terje auf der Durchreise ist und er uns zusammen mit seiner Agentur einen Freundschaftspreis gemacht hat.

KP: Warum sollte es am besten trocken und windstill sein?

Geschke: Der Wind trägt die Feuchtigkeit auf die Bühne und die verändert die Instrumente. Wir können das Konzert natürlich auch nach drinnen verlegen. Aber da haben wir nur für etwa 80 Menschen Platz. Draußen hoffen wir auf 200 bis 300 Gäste, was dem Ereignis auch angemessen wäre.

KP: Sie sprachen von der aufwändigen Technik, die es für das Konzert braucht. Wie sieht die aus?

Geschke: Es braucht zum Beispiel eine gute ‚Mikrofonierung‘. Eismusik lässt sich nämlich nicht so leicht abnehmen. Für den Transport der Instrumente benötigt Terje einen Kühlanhänger. Dort ist das Eis in Styroporkisten verpackt und wird bei -18 Grad Celsius gelagert. Es gibt einen Eismanager, der sich – wie der Name schon sagt – nur darum kümmert. Außerdem ist ein Soundtechniker dabei, der die Anlage bedient.

KP: Das klingt in der Tat aufwändig. Kommen wir auf die Musik zu sprechen. Wie würden Sie die charakterisieren?

Geschke: Es handelt sich auf keinen Fall um folkloristische Musik. Sie ist meditativ und stellt den Klang in den Mittelpunkt. Tatsächlich sind auch Jazzeinflüsse dabei.

KP: Und der Gesang von Maria Skranes, mit der er auch in Mölln auf die Bühne geht?

Geschke: Ihr Gesang ist an das Joiken der Sami** angelehnt. Es handelt sich um einen kehligen Gesang. In Europa berühmt gemacht hat ihn Mari Boine.

KP: Wir haben jetzt über diese spezielle Musik des Terje Isungset gesprochen und den Aufwand, der notwendig ist, um sie erklingen zu lassen. Was für ein Typ steckt hinter diesem Sound? Wer ist dieser Terje Isungset?

Geschke: Terje ist ein großartiger und anerkannter Musiker und dabei ein völlig umgänglicher und bescheidener Mensch. Im Dezember ist er bei der Nobelpreisgala vor großem Publikum aufgetreten. Würde er heute Musik in unserer Gemeinschaftsschule machen, er würde es mit der gleichen Inbrunst tun. Außerdem ist er ein Mann, der den Schalk im Nacken hat.

KP: Was einem nicht unbedingt als Erstes einfällt, wenn jemand meditative Musik macht…

Geschke: Klar, Terjes Eismusik klingt esoterisch und hat eine gewisse Strahlkraft. Das trägt er aber nicht im Alltag vor sich her. Da ist er eher ein kreativer Spaßvogel.

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*Das sind Musikinstrumente, die ihren Klang schwingend erzeugen – zum Beispiel Stabspiele, Kastagnetten oder Glocken. Sie haben keine Saiten oder Membranen.

**Bewohner Lapplands