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Für‘s Gemeinschaftsgefühl: Bürgerstiftung lud alle Ratzeburger Sechstklässler zu einer Klassenfahrt ein

Zusammen in einem großen Kreis wurde ein gemeinsamer Tanz einstudiert. Fotos: Anders

Ratzeburg (aa/pm). Vom 17. bis 18. Juli brachen 233 Schüler der Jahrgangsstufe 6 aller Ratzeburger Schulen zu einer gemeinsamen Klassenfahrt auf, um sich zwei Tage ohne Rücksicht auf Nationalität oder Hautfarbe, sozialen Hintergrund oder Schultyp zu durchmischen und kennenzulernen. Das neue Angebot der Bürgerstiftung Ratzeburg löst die bisherige schulübergreifende Projektwoche ab.

Zehn Jahre lang gab es alle zwei Jahre für die fünften und sechsten Klassen aller Ratzeburger Schulen die ‚schulübergreifende Projektwoche‘. In diesem Jahr wäre es wieder soweit gewesen. Doch die Bürgerstiftung machte hier nun einen Schnitt. Von außen betrachtet erst einmal ein ungewöhnlicher Schritt für ein Erfolgsprojekt. „Es hatte so große Dimensionen angenommen, dass wir das ehrenamtlich nicht mehr fortsetzen konnten“, erklärte der Stiftungsvorsitzende Andreas von Gropper. Doch die Bürgerstiftung hatte nun mit der „Ratzeburger Klassenfahrt“ gleich passenden Ersatz parat, der die integrative Idee der schulübergreifenden Projektwoche weiterführt.

Die von der Bürgerstiftung gesteckten Ziele für die Klassenfahrt lauteten:

• schulübergreifendes Kennenlernen von Schülern und Lehrkräften
• Entwicklung von Akzeptanz gegenüber anderen Schularten
• Verständnis und gegenseitiger Respekt
• Stärkung sozialer Kompetenzen
• Vertrauen stärken
• Umgang mit Konflikten und Stresssituationen
• Verlassen der Komfortzone
• Verbesserung der Kommunikation- und Reflexionsfähigkeit

„Wir wollen ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen“, sagte von Gropper. Soziale Schwellen und Hemmungen sollten abgebaut werden. So schliefen die Schüler schuldurchmischt in Zelten auf der Ansveruswiese in Einhaus und erlebten zwei Tage Gemeinsamkeit ohne die faktischen Grenzen der modernen Gesellschaft. Das Projekt wurde neben den Lehrkräften durch die Schulsozialarbeiter und die Erlebnispädagogen von EXEO, Lübeck pädagogisch begleitet.

Auch die begleitenden Lehrkräfte kommen von allen Schultypen. Sie erlebten ihre Schüler zwei Tage lang ohne jeglichen Ergebnisdruck. Sie konnten beobachten und Erkenntnisse gewinnen und hatten Zeit für Gespräche und Späße. Ihre Aufgabe beschränkte sich auf Aufsicht, kleinere logistische Aufgaben und die Gewährleistung pädagogischer Unterstützung bei Sorgen, Nöten und Wehwehchen der rund 250 Kinder.

Konzept und Umsetzung
Am frühen Vormittag trafen sich die Schüler der Jahrgangsstufe 6 aller Ratzeburger Schulen vor dem örtlichen Gymnasium. Ihr Gepäck luden sie auf den Anhänger eines bereitstehenden Traktors, der die Taschen und Koffer hinter dem Tross herfuhr, damit die Jungen und Mädchen den Fußmarsch von rund vier Kilometern zum Jugendzeltplatz am Ansveruskreuz am Ratzeburger See im wahrsten Sinne des Wortes „unbeschwert“ antreten konnten. Um sich voll auf die Gruppe und das Projekt einlassen zu können, wurden die Handys zuhause gelassen.

Nach etwa einer Stunde erreichte der Zug die großzügige Wiese, auf der Helfer von der Freiwilligen Feuerwehr, des THW und DRK sowie der älteren Jahrgängen der Lauenburgischen Gelehrtenschule in den vergangenen Tagen bereits die großen Übernachtungszelte in ehrenamtlicher Arbeit aufgebaut hatten. Die Verteilung und Durchmischung der Schüler auf die verschiedenen Zelte hatten Lehrer in Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern bereits vorbereitet, und so fanden sich die Schüler schnell zu neuen Gruppen zusammen.

Den inhaltlichen Teil an den zwei Tagen übernahm ein Team von Erlebnispädagogen der Firma EXEO aus Lübeck. Sie waren mit zwölf Mitarbeitern vor Ort und kümmerten sich komplett um die Umsetzung des Konzepts. Dazu wurden die Kinder mit Pässen ausgestattet und durchlebten eine interkontinentale Reise zu insgesamt sechs Stationen.

Ein Niedrigkletterseilgarten war eine von vielen Stationen an den beiden Tagen.

Es gab drei Zeiteinheiten innerhalb denen die Schüler verschiedene Stationen durchliefen. Vor jeder Zeiteinheit wurden die Gruppen neu durchmischt, so dass sich die Kinder in den Tagen in stets unterschiedlichen Gruppen wiederfanden. Zwischen den Zeiteinheiten waren Ruhepausen eingeplant. Hier konnten sich die Kinder frei zusammenfinden, chillen, quatschen, baden oder Fußball spielen. In der Mittagspause versorgte das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow alle Teilnehmer mit einem kräftigen Mittagessen, während am Abend Würstchen gegrillt wurden und der Tag ausklang. Am nächsten Morgen sorgte wieder das Lebenshilfewerk für Frühstück und die dritte und letzte Zeiteinheit begann. Nach dem Mittagessen trafen dann alle Mitfahrer zum abschließenden Plenum zusammen, innerhalb dessen durch eine konzertierte Abschlussaktion und die Ausgabe der Event-Shirts das Gefühl, einer großen Gemeinschaft anzugehören, nochmals deutlich erfahrbar wurde.

Schließlich hieß es wieder Koffer und Taschen packen und den Rückmarsch antreten.

„Ich bin glücklich und stolz, dass es so gut geklappt hat. Ein toller Erfolg. Viele Dinge haben gut funktioniert, so wie wir es uns gedacht haben, teilweise sogar besser“, resümmierte Andreas von Gropper kurz vor Ende der Klassenfahrt. Auch die beteiligten Lehrer, Schulsozialarbeiter und Erlebnispädagogen zogen ein höchst positives Fazit.

Und wie fanden es die Schüler? „Ich glaube nicht, dass wir uns alle jetzt danach miteinander verabreden. Aber ich denke, dass es gut war“, erklärte Lisbeth von der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG). „Manche kannte ich schon, ich habe aber auch viele neue Leute kennengelernt“, so Kristin (LG). „Es sind alle ok, aber auch viele ‚Verrückte‘ dabei“, meinte Frederik von der Gemeinschaftsschule.

Da im Gegensatz zur ‚schulübergreifenden Projektwoche‘ bei der ‚Klassenfahrt‘ nur ein Jahrgang berücksichtigt wird, wäre bei einer Fortsetzung des Projekts künftig eine jährliche Taktung von Nöten, wie Andreas von Gropper vorrechnete. Das wären allerdings Kosten, die die Bürgerstiftung nicht alleine stemmen könnte. Daher suche die Stiftung nach dieser erfolgreichen Premiere mindestens zwei Partner, mit denen man die anfallenden Kosten dritteln könnte.

Zur Bürgerstiftung Ratzeburg

Seit 2003 fördern, entwickeln und erhalten wir im Rahmen innovativer und bewahrender Projekte die Besonderheiten Ratzeburgs. Dadurch leisten wir unseren Beitrag, Ratzeburg und seine Umgebung lebens- und liebenswert zu erhalten. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Integrations- und Jugendarbeit, um jungen Ratzeburgern aller Nationen Werte zu vermitteln und Zukunftsperspektiven zu geben. Daneben fördern wir Projekte, die die traditionellen Vorzüge Ratzeburgs als naturbegünstigte, kunstsinnige und heimatverbundene Gemeinde stärken und bei denen die öffentliche Hand nicht oder nur noch in unzureichendem Maße tätig werden kann. Weitere Informationen unter www.buergerstiftung-ratzeburg.de