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Güterverkehr vom Belt durchs Herzogtum Lauenburg?

Konstantin von Notz informierte über mögliche Auswirkung einer festen Fehmarnbelt-Querung für Mölln
Was würde mehr Güterverkehr auf dem Möllner Bahndamm bedeuten? Konstantin von Notz und Möllner Bürger diskutierten vor Ort am Stadtsee. Foto: Anders

Mölln (aa). Im Rahmen einer Bürgersprechstunde mit anschließender Vor-Ort-Begehung informierte der Möllner Stadtvertreter und Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz zusammen mit der Fehmarner Projektkennerin Nikola Vagt (NABU Schleswig-Holstein/Wallnau) und der grünen Kommunalpolitikerin Mechthild Rosker über die möglichen Mehrbelastungen auf der Bahnstrecke Lübeck – Ratzeburg – Mölln – Büchen – Lauenburg – Lüneburg, sollte es zum Bau der festen Fehmarnbelt-Querung kommen.

Die Bahnroute durch das Herzogtum Lauenburg stellt eine von drei möglichen Hinterlandanbindungen des geplanten Großprojekts einer festen Fehmarnbelt-Querung Richtung Süd- und Westdeutschland dar und könnte auch als Umfahrung des chronisch überlasteten Hamburger Bahnknotens dienen. Ein entsprechender Antrag für einen zweigleisig-elektrifizierten Ausbau ist in den Bundesverkehrswegeplan 2015 eingestellt worden. „Es geht uns nicht darum, Alarmismus zu betreiben. Aber es gehört dazu, aufzuklären, dass da etwas auf uns zukommt. Wieviele Züge hier bei uns fahren werden, kann heute noch niemand sagen. Aber zu denken, das geht uns nichts an, wäre falsch“, sagte von Notz.

„Es wird ein riesiger Tunnel durch die Ostsee gegraben“, informierte Nikola Vagt über das Großprojekt, das auf Initiative Dänemarks vorangetrieben wird. Anders als beim Euro-Tunnel, der England mit dem Festland verbindet, sei hier kein Bohrtunnel sondern ein Senktunnel geplant. Das bedeute, so Vagt weiter, dass rund fünfzehn Milliarden Meeresboden bewegt würden und das in einem ökologischen Schutzgebiet.

Das Argument der Projektbefürworter, es ergebe sich für den Güterverkehr ein Zeitgewinn, lässt Nikola Vagt nicht gelten. Die Zeitersparnis sei im Vergleich zum Transport mit der Fähre oder per bereits bestehender Jütlandlinie zu gering, um ein solches Großprojekt zu rechtfertigen.

Die Kosten für den Tunnelbau will Dänemark übernehmen, dafür habe sich laut Konstantin von Notz die Bundrepublik Deutschland dazu verpflichtet, die Hinterlandanbindungen aufzubauen. „Das wird teuer“, so der Möllner Bundestagsabgeordnete, der eine Zahl von rund zwei Milliarden Euro nannte, wahrscheinlich würde es aber noch teurer werden. „Das ist ein Missverhältnis, wenn man die Summen betrachtet, die aktuell zum Straßenerhalt da sind beziehungsweise gebraucht würden“, sagte von Notz. So würde bereits der dann notwendige Bau einer zweiten Fehmarnsundbrücke Unsummen verschlingen. Dazu käme der Ausbau der Bahntrassen, um das Mehr an Güterverkehr aufnehmen zu können. Von Notz: „Bei unseren aktuellen Problemen mit sanierungsbedürftiger Infrastruktur sollte man keine Milliarden in neue Trassen stecken.“

„Die Züge werden sich aussuchen können, wo sie lang fahren“, fuhr von Notz fort. Hamburg sei ein Nadelöhr. Züge, die nicht zwangsläufig durch Hamburg müssten, würden dann mit Sicherheit auch andere Strecken befahren und kämen dann auch durch das Herzogtum. Viele der rund 20 anwesenden Bürger zeigten sich besorgt, gaben zum Teil an, nahe der Bahnstrecke zu wohnen. Nur ein paar wenige Züge pro Nacht mehr würden die Lebensqualität verschlechtern und auch dem Tourismus nicht zuträglich sein, so der allgemeine Tonus.

„Noch ist der Zug nicht abgefahren“, sagte von Notz. Seine große Hoffnung sei eine Neuberechnung der Gesamtkosten für den Ausbau der Hinterlandanbindung, und dass deren Höhe schließlich das Projekt zum Scheitern bringt wie einst den Transrapid. Die Grünen wollen entsprechende Anträge stellen. Es sei aber auch wichtig, dass sich der Protest vor Ort organisiert, so die Botschaft an die anwesenden Möllner Anlieger, die sich interessiert an der Diskussion beteiligten. Nikola Vagt riet zudem dazu, sich mit Bürgerinitiativen wie zum Beispiel in Ostholstein zu vernetzen, um nicht am Ende gegeneinander ausgespielt zu werden.

Zum Abschluss ging es noch direkt an das Ufer des Möllner Stadtsees mit Blick auf den Bahndamm. Nach einigen einführenden Erläuterungen von Mechthild Rosker berichteten auch viele der anwesenden Möllner über ihre Erfahrungen mit dem Lärm von Güterverkehr auf den Schienen. Am Ende folgte ein Austausch von Emailadressen, um sich künftig über einen Verteiler ständig auf dem Laufenden zu halten.