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Gesunde Kulturlandschaft – Was gilt es zu tun?

Foto: hfr

Mölln (pm). Zu einer hochrangig besetzten Vortrags- und Diskussionsveranstaltung lädt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am Freitag, 9. Februar, um 19.30 Uhr nach Mölln in den Quellenhof ein, Hindenburgstraße 16.  Von Professor em. Dr. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, wird das Veranstaltungsthema “Zur Gesundung der Kulturlandschaft: Was gilt es zu tun? – Die Schaalsee-Region als zukunftsfähiges Landschaftsmodell  ̶  “ in einem Impulsreferat vorgestellt.

In kurzen Statements werden Vertreter von Institutionen, Verbänden und Parteien aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg dazu ihre jeweilige Sicht vortragen. In der folgenden Aussprache auf dem Podium mit Prof. Succow, Kreispräsident Meinhart Füllner, Ulrich Ketelhodt (Nordkirche), Alfons Wiesler-Trapp (Domäne Fredeburg), Hartmut Dreyer (Hof Neuenkirchen), Klaus Jarmatz (Biosphäre Schaalsee) und Dr. Claudia Bielfeldt (BUND, Moderation) sollen die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Probleme in unserer Kulturlandschaft deutlich und eine gemeinsame Lösungssuche begonnen werden. "Wir stehen kurz vor einem “Stummen Frühling”, viele Menschen spüren das. Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen nun eine ehrliche Zusammenarbeit beginnen, damit das Insekten- und Artensterben gestoppt und auch für die Menschen in unserer Region die ursprüngliche Natur wieder erblühen und gesunden kann”, formuliert Hans-Heinrich Stamer vom BUND Lauenburg und Mitorganisator der Veranstaltung seine Erwartungen an den Abend und ergänzt: “Wichtig ist mir, dass Viele bei dieser Veranstaltung miteinander ins Gespräch kommen. In der Diskussion werden sich dann Punkte herauskristallisieren, denen eine große Mehrheit zustimmen kann. Mit so einer Basis wird eine Problemlösung gelingen“. Alle Besucher können durch schriftliche Eingaben mitwirken, die während der Diskussion eingesammelt und an das Podium gegeben werden. Der Eintritt ist frei, für die BUND-Blühwiesen wir um Spenden gebeten.

BUND-Position: Aufruf gegen „Stummen Frühling“

Der BUND ist wie viele Menschen im Herzogtum Lauenburg von dem katastrophalen Insektensterben alarmiert. Er bittet alle, in ihrem jeweiligen Lebensbereich zum planvollen Handeln auf und erklärt:

"1.  Das Insektensterben in unserer Kulturlandschaft mit über 98 % Biomasseverlust gegenüber dem Jahr 1936 (Aebischer et al. 1991, Sorg et al. 2016) erkennen und bewerten wir als absolute Bedrohung nicht nur für die Insektenarten, sondern für die gesamte Flora und Fauna mit allen Artengruppen, auch einschließlich uns Menschen.

2. Die Bedrohung zeigt sich besonders in großflächig zerstörten Lebensräumen, aus denen wir Menschen die natürlich vorkommenden Wildpflanzen – und damit auch die darauf angewiesenen Tierarten – beseitigt haben, sowie in den übermäßigen Belastungen der Gewässer, der Böden und der Luft. Auch im Kreis Herzogtum Lauenburg beobachten wir nachteilige Veränderungen des Klimas und nehmen insbesondere auf großen Ackerschlägen aber auch in Hausgärten schmerzliche Verluste auch bei früher häufigen, heimischen Vogelarten wie Rebhühner, Feldlerchen und Singvögeln sowie bei Fledermäusen zur Kenntnis.

3. Die bereits eingetretenen Verluste, Schäden und zunehmenden Bedrohungen sind neben einer chemisch geprägten Land-, Garten- und Forstwirtschaft besonders auch durch naturschädliche Mobilität, Bebauung und den hohen Verbrauch natürlicher Ressourcen entstanden.

4. Die Mitverantwortung als Gesellschaft an den Natur- und Umweltproblemen muss uns alle veranlassen, besonders als Entscheidungsträger in den Parlamenten, Regierungen, Verwaltungen, Verbänden, Grund- und Immobilieneigentümer, Pächter und Mieter, in unseren jeweiligen Zuständigkeiten die Natur- und Umweltzerstörungen zu stoppt und für Flora und Fauna wieder deutlich mehr Lebensräume freizugeben.

5. Als vordringliche, beispielhafte Maßnahmen fordern wir von der Bundesregierung, das Breitband-Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat und die Insektenvernichtungsmittel aus der Gruppe der  Neonikotinoide in Deutschland in allen Bundesländern gesetzlich zu verbieten. Darüber hinaus fordern wir, dass auch Deutschland sich in den laufenden EU-Verhandlungen zur „Gemeinsamen Agrarpolitik“ (GAP) für eine Reform nach dem Prinzip „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ einsetzt, aus der dann maßgeblich eine Ökologisierung der Kulturlandschaft finanziert werden kann.

6. Wir bitten den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg und den Kreistag als größte Grundeigentümer im Herzogtum Lauenburg um eine Initiative zur Einsetzung eines gemeinsamen interdisziplinären Arbeitskreises „Zur Gesundung der Kulturlandschaft“, der entsprechende, beispielhafte Handlungsempfehlungen für den Kreis Herzogtum Lauenburg erarbeiten und vorschlagen soll."