Ratzeburg (aa). Dass es im Jahr 2012 in Ratzeburg garantiert nicht langweilig wird, machte bereits der Neujahrsempfang am Freitagabend klar. Mit einem äußerst kurzweiligen Programm aus Theater und Gesang läutete man das Jubiläumsjahr der Stadt feierlich bei leckerem Ratzeburger Rommeldeus ein.
Erstmalig konnten Stadt und der W.I.R. die vielen Gäste aus Ratzeburg und Umgebung zum traditionellen Neujahrsempfang in der geräumigen Mensa der Lauenburgischen Gelehrtenschule begrüßen. Und der örtliche Wechsel tat der Veranstaltung sichtlich gut, da in den vergangenen Jahren längst die Kapazitäten des Ratsaales im Rathaus nicht mehr ausreichten.
Nachdem die Sternsinger das neue Jahr mit einem Lied gesanglich eingeläutet hatten, begrüßten Lara Fabinski (W.I.R.) und Bürgermeister Rainer Voß die Anwesenden. Die weiteste Anfahrt hatten jedoch diesmal nicht die Nachbarn aus Mölln, sondern Tove Kjellerup und Ruth Christensen aus der dänischen Partnerstadt Ribe, die ebenfalls ein Grußwort an das Auditorium richteten.
Eine gelungene Überraschung hatten schließlich die Mitglieder des neuen Stadttheaters im Gepäck. Als Zeitreisender wurde der Ratzeburger Stadtsekretär Adam Dietrich Jürs, alias Christian Lopau, eigens aus dem 18. Jahrhundert eingeflogen. Nach Ankündigung durch den Nachtwächter der Stadt, gespielt von Klaus Lankisch, und kurz unterbrochen vom neuen städtischen Hausmeister, dargestellt von Ottfried Feußner, richtete der Stadtsekretär seine Worte an das Ratzeburg der Gegenwart. Aus einer Position der Stärke, schließlich hatte die Stadt zu Jürs Zeiten noch einen Überschuss in der Stadtkasse, gab er den Politkern und Bürgern der Gegenwart einige Ratschläge mit auf den Weg. Um seine Ausführungen zu belegen, zitierte er unter anderem aus den originalen Kämmereirechnungen aus den Jahren 1761 und 1762. So bewahrte man damals die Überschüsse in der „Überschuss-Lade“ auf. Auch die Ausgaben der Stadt sieht Stadtsekretär kritisch, kam doch sein Ratzeburg noch mit nur 16 städtischen Bediensteten aus. Auch bei den anfallenden Straßenarbeiten musste die Stadt noch nicht so tief in die Stadtkasse greifen. So oblag es laut Jürs „jedem Bürger vor seinem Hause, dass das Steinpflaster noch vor Winter repariert werde". Eine „imposante“ Holzbrücke zwischen Insel und Ostufer refinanzierten die Stadtoberen übrigens mit einem Brückenzoll. Eine Möglichkeit, die Jürs auch den heutigen Ratzeburgern nahelegt: „Eine hübsche kleine Mautstation ist ja rasch eingerichtet“, so Jürs, der noch einige weitere Gepflogenheiten seiner Zeit aufzählte und bei seinen Zuhörern für viele Lacher sorgte. Das Unterhaltungsprogramm rundeten an diesem Abend gewohnt stimmgewaltig die Mitglieder vom Ratzeburger Vokalensemble, geleitet durch Holger Martens, musikalisch ab.
Wie in jedem Jahr üblich, so wurden auch am gestrigen Abend zwei verdiente Bürger Ratzeburgs mit dem „Bronzenen Löwen“ der Stadt geehrt. Diese hohe Auszeichnung wurde diesmal Dr. Fritz Bahrs und Ernst August Jobmann zuteil. Einen ausführlichen Bericht zu den beiden Geehrten lesen Sie hier.