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Holzhandwerk, traditionelle Kunst und neue Wege

(pm). Seit etwa 300 Jahren haben sich in der waldreichen Region des Erzgebirges besondere Handwerke entwickelt. Die Volkskunst des Erzgebirges ist eng mit dem Bergbau verbunden.

Seit dem 12. Jahrhundert wird der Bergbau zum Motor der Entwicklung dieser Region, der jedoch im 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung verliert. Neue Tätigkeiten und Einkünfte werden gesucht. In den Familien werden Holzspielzeug, Musikinstrumente. Alltagsgegenstände und Dekorationen an den Abenden geschnitzt und gedrechselt. Diese Gegenstände und handwerkliches Können werden zum Ausgang neuer Erwerbsarbeit. So finden Motive aus dem Bergbau ihre Anwendung in den dekorativen Produkten. Bergmänner sind deshalb ein klassisches Abbild im Sortiment. In großem Umfang entstehen gegenständliche Holzprodukte in kunstvoller Bearbeitung.

Schwerpunkte des Kunsthandwerks
Einige Orte erwerben sich einen besonderen Ruf. Schneeberg und Annaberg werden für ihre Holzschnitzereien bekannt. Die Stadt Seiffen und ihre Region sind verbunden mit Holzdrechslerei und Spielzeugherstellung. Insgesamt wird das Sortiment der traditionellen Holzprodukte um die christliche Weihnacht entwickelt: Flügelpyramiden, Schwibbögen, Räuchermänner, die eindrucksvollen Nussknacker oder die faszinierenden Spieldosen werden in sorgfältiger Bearbeitung in kleinen familiären Handwerksbetrieben und von Holzspielzeugmachern hergestellt. Tiere, Dörfer oder Burgen sind in der Reifendrehtechnik, einer im Erzgebirge einmaligen Bearbeitungsart, produziert und bevölkern die Weihnachtskrippen. Einen besonderen Stellenwert erlangen die Musikengel. In vielen Varianten und immer wieder einem neuen Modell als Ergänzung entsteht ein farbiges, ausdrucksstarkes Orchester. Nicht jahreszeitlich gebundene Motive, dazu zählen Wippelfiguren, Käfer, Leuchter, Vögel, die Blumenkinder oder Miniaturen, stehen in wechselndem Design zur Auswahl.

Handwerkskunst und Marke
Holzhandwerk, beispielsweise das Drechseln, wird in Ausbildungsberufen erlernt. Der Holzspielzeugmacher ist seit 1996 ein anerkannter Ausbildungsberuf in Deutschland. Praktische und theoretische Ausbildung werden in der Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule in Seiffen angeboten. Hier werden nicht nur die traditionellen handwerklichen Fertigkeiten, sondern auch Entwurfstechniken und Design gelehrt. Ziel der Ausbildungen ist es, zeitgemäße Ausdrucksformen und Anwendungen zu finden. Mit einer neuen Formensprache und veränderter Farbgestaltung für die traditionelle Deckenpyramide passt diese dann auch in eine moderne Umgebung. In einer global vernetzten Welt gilt es zudem, den Wert von Produkten und ihrer Herkunft deutlich zu machen. Mit der Wortmarke "Erzgebirgische Volkskunst" wird beispielsweise das Urheberrecht belegt.

Präsentationen und Ausstellungen
Einen Eindruck über die vielseitige Entwicklung und die reichhaltigen Anwendungen der erzgebirgischen Holzkunst sind in verschiedenen Ausstellungen zu finden: Das "Erzgebirgische Spielzeugmuseum in Seiffen", das "Museum für bergmännische Volkskunst Schneeberg", das "Museum erzgebirgischer Volkskunst" in Grünhainichen sind unterhaltsam und informativ. Die "Manufaktur der Träume" im Museum Annaberg-Buchholz zeigt in einer der weltweit größten Puppentheatersammlungen einen besonderen Zweig der Handwerkskunst. Schließlich sind Modernisierung und Weiterentwicklung von Bedeutung. Beste Beispiele für gestalterische Erneuerungen bei der Formensprache werden jedes Jahr mit dem Wettbewerb "Tradition & Form" ermittelt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb vor allem durch den Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. Auch in den Medien wird auf die ausgezeichneten Produkte hingewiesen.