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Internationale Ratzeburger Ruderregatta: Reinhart Grahns treues Helferteam

Die Boote gleiten aus den Händen des Startbrückenteams. Fotos: Anders

Ratzeburg (aa). Über 500 Teilnehmer führte es am vergangenen Wochenende wieder zur Internationalen 58. Ratzeburger Ruderregatta. Was alles dahinter steckt, damit ein Sportevent dieser Größenordnung reibungslos und zur Zufriedenheit aller über die Bühne geht, kann man als unbeteiligter Zuschauer allenfalls erahnen. Herzogtum direkt nahm in diesem Jahr einmal den Startbereich der Regattastrecke unter die Lupe.

Insgesamt sorgt an den beiden Regatta-Tagen ein Heer von rund 200 Ehrenamtlichen für einen reibungslosen Ablauf der Regatta – davon bilden etwa 45 Personen das Starthelferteam. Seit 2010 kümmert sich Reinhart Grahn, Sportlehrer der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG), Leiter der Ruderakademie Ratzeburg und Vorsitzender des Ruderverbands Schleswig-Holstein, Jahr für Jahr um Akquierung und Organisation dieses wichtigen Regattabausteins. Denn: Ohne Start kein Rennen. Zu jedem Schichtbeginn ist Grahn an beiden Regattatagen vor Ort und hakt ab, wer alles da ist oder ob noch kurzfristig irgendwo eine Lücke zu schließen ist. Dafür hat er stets eine Reserve in der Hinterhand.

Neben der Startbrücke besetzt Grahns Team zudem die drei Pontons für die Zeitnahme, ist für das Festhalten der Boote am Siegersteg zuständig, hilft beim Catering sowie bei der Datenerfassung im Zielturm.

Das Endprodukt ist eine Liste mit den Einsatzorten und den Namen der Helfer sowie den vier Schichten an beiden Regattatagen, in denen sie zugeteilt sind. Die Vormittagsschicht geht von 8.30 Uhr bis zum Mittag. Die zweite Schichte dauert von Mittag bis etwa 17 Uhr.

„Es sind in aller Regel Schüler der LG“, erklärt Grahn. Dazu kommen noch ehemalige Schüler, unter anderem der einstigen Ratzeburger Vorstadtschule, sowie Freunde, Familienmitglieder und Bekannte aus dem Umfeld der Helfer selbst sowie des Ratzeburger Ruderclubs im Allgemeinen. Normalerweise sind das alle ‚Nicht-Ruderer‘. „Ein Rumpfteam steht eigentlich immer vor jeder Regatta fest. Ungefähr 75 Prozent sind im nächsten Jahr wieder mit dabei“, schwärmt Grahn von seiner Truppe junger Menschen, die sich hier freiwillig und vor allem ehrenamtlich engagieren. Die restlichen 25 Prozent rekrutiert der Sportlehrer an der LG. Grahn: „Du findest immer Leute, du musst sie nur vernünftig ansprechen. Die Randbedingungen müssen stimmen und dann machen die das eigentlich gerne.“ So müsse man die Bedürfnisse der Helfer im Blick haben. „Das ist ganz wichtig. Da sind ganz viele zweier oder dreier Teams, die auch zusammen sein wollen. Du musst Rücksicht auf die Bedürfnisse der Helfer nehmen, du kannst die nicht irgendwo einsetzen. Die dürfen sagen, was sie wollen.“

Anna Irrek, Anika Feddern und Luise Wegener auf "ihrem" Ponton.

Bereits seit 17 Jahren treu dabei sind Anika Feddern sowie die Schwestern Anna Irrek und Luise Wegener. Als Fünftklässlerinnen der damaligen Ratzeburger Vorstadtschule (heute Gemeinschaftsschule Lauenburgische Seen) stießen sie damals zum Helferteam der Internationalen Ratzeburger Ruderregatta hinzu. „Herr Witt hat uns damals gefragt, ob wir helfen können“, gibt das gut gelaunte Trio zu Protokoll. Seitdem besetzen sie Jahr für Jahr als Zeitmesser mit Fernglas und Telefon bewaffnet den Ponton bei Kilometer 1.000. Von hier geben sie an den Zielturm weiter, in welcher Reihenfolge die Boote die 1.000 Meter Marke passiert haben. „Es bringt Spaß und ist lustig. Wir machen das gerne“, geben die 27-Jährigen gegenüber Herzogtum direkt Auskunft, was sie Jahr für Jahr wieder zur Regatta auf‘s Wasser zieht. Auch 2017 sind sie an beiden Tagen im Einsatz. Wenn es Zeit und Wetter zulassen, nähmen sie zwischen den Rennen auch schon mal vom Ponton aus eine kleine Abkühlung im Küchensee oder würden einfach nur die Sonne genießen.

Jessica Stock und Lennart Schröder im Einsatz auf der Startbrücke.

Auch LG-Schülerin Jessica Stock genießt an diesem Regattatag die Sonne auf der Startbrücke. Sie ist bereits seit vier Jahren Teil des Helferteams. Ihr zur Seite steht dieses Jahr Regattaneuling Lennart Schröder. „Es bingt Spaß und eigentlich haben wir bis jetzt auch jedes Jahr schönes Wetter gehabt“, gibt Jessica Stock die Gründe an, die sie zur Wiederholungstäterin werden lassen.

Auf der Startbrücke gilt es bis zu acht Boote festzuhalten, denn die Ruderer brauchen einen fixierten Punkt hinten, um gerade ausgerichtet zu starten. Besonders wichtig wird das bei starkem Seitenwind. Bei großen Regatten wird dies heutezutage oftmals technisch gelöst. In Ratzeburg wird dieses noch mit guter alter Handarbeit erledigt. Mittels Kopfhörer bekommen die Helfer von den Kampfrichtern noch Anweisungen, ob das jeweilige Boot vielleicht noch ein Stück vor oder zurück muss. Je nach Rennen beziehungsweise Bootslänge muss dann noch die Startbrücke mittels Kurbelstellen justiert werden, damit die Streckenlänge ab Bug auch exakt 2.000 Meter beträgt. Mit zwölf Personen, acht für die Boot plus vier an den Kurbeln, lässt sich die Startbrücke so betreiben.

Von allen Helfern lässt Grahn sich die Emailadresse geben, sodass er im Folgejahr alle potentiellen Helfer wieder anschreiben beziehungsweise anfragen kann. Dies geschehe in der Regel zwei Monate vor der Regatta. „Anfragen geht in der Regel schnell. Die Daten- und Kontaktpflege ist der etwas größere Aufwand. Aber das ist ganz ganz wichtig, dass du weißt, wer wird an dem Tag dabei sein. Aber das klappt auch. Da ist keiner, der einfach, ohne etwas zu sagen, nicht kommt. Die haben meine Handynummer und dann bekomme ich eine SMS. Die sind schon alle hochverlässlich, die wissen auch, dass es eine internationale Regatta ist, und die machen alle einen sehr guten Job“, lobt Reinhart Grahn sein Team. Wichtig sei ihm am Ende allen noch ‚Danke‘ zu sagen, und dass jeder weiß, dass seine Hilfe auch wertgeschätzt wird.