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Pingsten in`n Wandsbeker Holt!

Pingsten in`n Wandsbeker Holt!

In mien Jungstied, wenn Pingsten wör,
Wat weern dat scheune Doog!
Denn neuhm mien Vadder mi mol vör
Un rich an mi de Froog:
„Wo muchs du geern woll Pingsten henn?
Besinn di ober gau.“--
He grien dorbi son beten, denn
He wüß dat ganz genau.--
He kenn sien`n Jung, sien`n Daugenicks!
De Antwort kreeg he denn ok fix.
Se luud ganz kott un stolt:
„No`d Holt, no`d Holt!
No`d Wandsbeker Holt!”

Pingstmorgen den gung dat nu los
In alle Hergottsfreuh.
Ne Kinners, wat weer dat förn Spoß,
Dat weer noch wert de Meuh!
Weern eben wi in`d Holt ringohn,
Ick weet dat noch as hüt,--
Bleew Vadder eers vörn Denkmol * stohn,
Verwiel dor`n ganze Tied
Und seed „Kiek düssen Steen di an!
De steiht to Ehrn för een`n Mann,
De hier hett Dicht´ un Wannert` mol ;
Sien Leeder singt Ji in de School.
Op den`n Mann sünd wi stolt!--
Wie leew harr de sien Holt! sien Holt!
Uns ` ool Wandsbeker Holt!“

Wo geern heff ick mien`n Vadder heurt!
He wüß dat all so fein!--
Nodem he mi denn harr belehrt,
Gungt wider rin in`t Greun,
Denn setten wi uns eersmol dohl
Ganz dich neern an den`n Diek
Un eeten un drünken mol.--
Von fern klung lies Musik.--
Dat keum von wieden ut ee`n Goorn,
Door speeln un`s Wandsbecker Husorn!
Uns` stramm`n Jungs, uns` Stolt
Pingsmorgen denn in`d Holt! in`d Holt!
So wunnerbor in`d Holt!

Von morgens freuh bit obends loot
Kunn man in`d Holt uns sehn.
Veel beder weer`d doch as op` de Stroot.
Wat weer dat wunnerscheun!--
Mien Vadder neuhm mi an de Hand
Und wies` mi manchen Boom
He wies` mi mennig selten Plant
Un nenn mi ok ehrn Noom.
Uns` Mudder, de gung still bieher—
Un ut de Bööm dat jubileer,---
De Bläder speeln in`n Sünn`ngold.—
O wie scheun weer dat doch in`d Holt! in`d Holt!
Pingsten in`d Wandsbecker Holt!

Doch stünn an`n Heben Maand un Steern,
Gung dat no Huus ok sach.—
Denn sung`n wi een Leed noch geern
Rin in de Sommernach.
Dat wiede Holt stunn as in`n Droom
Un nick uns liesen to.—
De lütten Sängers dor in`n Boom,
De weern jo längs to Roh.
Wat uns denn keum so in den`n Sinn,
dat smettern wi in´d Holt herrin.—
Weern ok de Leeder olt,
Wo herrlich klung`d in`d Holt! in`d Holt!
Pingsnach doch in uns`Holt!

Dat sünd nu veele Johr all her,
Is bald all nich mehr wohr!—
Wied in de Welt ick rum all weer,
Bün olt, heww griese Hoor.—
Veel anners süht dat ut all hüt
As dunn, wo ick weer Jung,
Doch denk ick geern noch an de Tied,
Wo dat no`d Holt henngung.
Dat weern doch de scheunsten Stun`n!
Noch narrns heww ick`d beder fun´n,--
Gleuwt mi´d, ick bün dorop so stolt!—
As Pingsten in uns` Holt! in`d Holt!
As Pngsten in`d Wandsbeker Holt!

Friedrich Schnoor 1925

Pfingsten im Wandsbeker Gehölz!

In meiner Jungenzeit, wenn Pfingsten war,
Was waren das schöne Tag`!
Dann nahm mein Vater mich zur Seit`
Und richt` an mich die Frag`:
„Wo möch`st Du gern` wohl Pfingsten hin?
Besinn Dich aber schnell“--
Er schmunzelte dabei ein wenig, denn 
Er wusste es ganz genau. –
Er kannte seinen Sohn, seinen Taugenichts!
Die Antwort bekam er dann auch fix.
Sie lautete ganz kurz und stolz:
„Zum Holz, zum Holz!
Zum Wandsbeker Gehölz!“ 

Pfingstmorgen dann ging das nun los
In aller Herrgottsfrüh.
Nein Kinder, was war das für ein Spaß,
Das war noch Wert der Müh`!
Wenn eben wir ins Holz reinkamen,
Ich weiß es noch als heut.—
Blieb Vater erst vor`m Denkmal* stehen,
Verweilte dort ne`ganze Zeit
Und sagte: „Seh` diesen Stein Dir an!
Der steht zu Ehren für einen Mann,
Der hier hat gedichtet und wanderte mal;
Seine Lieder singt Ihr in der Schul`.
Auf diesen Mann sind wir stolz! —
Wie lieb hatte der sein Holz! Sein Holz!
Unser altes Wandsbeker Holz!“

Wie gern` hab` ich meinen Vater gehört!
Er wusste es alles so gut! –
Nachdem er mich dann hatte belehrt,
Ging`s weiter rein ins Grün,
Dann setzten wir uns erstmal hin
Ganz dicht nah an den Teich
Und aßen und tranken erst mal.—
Von fern klang leis` Musik.—
Das kam von weitem, aus einem Garten. 
Dort spielten unsere Wandsbeker Husaren!
Unsere strammen Jung`s unser Stolz
Pfingstmorgen dann im Wandsbeker Holz! 
So wunderbar im Holz!


Von morgens früh bis abends spät
Konnt` man im Holz uns seh`n.
Viel besser war`s doch als auf der Straß`,
Was war das wunderschön! –
Mein Vater nahm mich an die Hand
Und zeigte mir manchen Baum
Er zeigte mir manche seltene Pflanze
Und nannte mir auch die Namen.
Unsere Mutter, die ging still daneben-
Und aus den Bäumen da jubiliert`s,-
Die Blätter spielten im Sonnengold.-
Oh wie schön war das doch im Holz! Im Holz!
Pfingsten im Wandsbeker Holz! 

Doch standen am Himmel Mond und Stern`,
Ging es nach Haus auch dann.-
Dann sangen wir ein Lied noch gern
Rein in die Sommernacht.
Das weite Holz stand wie im Traum
Und nickte uns leise zu.-
Die kleinen Sänger dort im Baum,
Die waren ja längst zur Ruh.
Was uns dann kam so in den Sinn,
Das schmetterten wir in`s Holz herein.
Waren auch die Lieder alt,
Wie herrlich klang das im Holz! Im Holz!
Pfingstnacht im Wandsbeker Holz!

Das sind nun viele Jahre schon her,
Ist bald schon nicht mehr wahr!-
Weit in der Welt ich rum schon war,
Bin alt`, hab graue Haar!-
Viel anders sieht es aus schon heut`
Als damals als ich war ein Jung`.
Doch denk ich gerne an die Zeit,
Wo es zum Holz hinging.
Das waren doch die schönsten Stunden!
Noch nirgends hab` ich es besser gefunden.-
Glaubt mir`s, ich bin darauf so stolz!-
Als Pfingsten in unserem Holz! Im Holz!
Als Pfingsten im Wandsbeker Holz!

Friedrich Schnoor 1925
Übersetzt : Freddy Schnoor 2016
*Quelle Wikipedia
Matthias Claudius (Pseudonym Asmus, * 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); †21. Januar 1815 in Hamburg) war ein deutscher Dichter und Journalist, bekannt alsLyriker mit volksliedhafter, intensiv empfundener Verskunst.

Und auch dieses Gedicht in Hoch- und Plattdeutsch ist in diesem Buch von Friedrich Schnoor
https://www.bookrix.de/book.html?bookID=fieteluettenhus_1457881095.4241929054

 

*Quelle Wikipedia
Matthias Claudius (Pseudonym Asmus, * 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); †21. Januar 1815 in Hamburg) war ein deutscher Dichter und Journalist, bekannt alsLyriker mit volksliedhafter, intensiv empfundener Verskunst.

In den fünfziger Jahren hatte Friedrich Schnoor das Glück jede Woche in der Lauenburgischen Landeszeitung unter seinem Pseudonym „Fiete Lüttenhus“ Geschichten zu veröffentlichen. Darum spielen viele seiner Geschichten auch im Lauenburgischen. Viele dieser Geschichten sind auch als Ebook zu haben. Eine Übersicht finden Sie hier.