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Regionalzentrum in Sandesneben mit dem SoVD-Gütesiegel ausgezeichnet

Viel lobende Worte und eine Urkunde erhielt Amtsvorsteher Ulrich Hardtke (li.) vom Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Professor Ulrich Hase. Fotos: Anders

Sandesneben (aa). Das Regionalzentrum Sandesneben im Kreis Herzogtum Lauenburg ist vom Sozialverband Deutschland (SoVD), Landesverband Schleswig-Holstein gestern (3. November) am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung mit dem "Gütesiegel für ein besonderes Engagement für die Teilhabe von behinderten und älteren Menschen in der Gesellschaft“ ausgezeichnet worden. Im Beisein von Landtagspräsident Klaus Schlie und Kreispräsident Meinhard Füllner überreichte die Vorsitzende des SoVD-Kreisverband Herzogtum Lauenburg, Astrid Kosiolek, gemeinsam mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Professor Ulrich Hase, das Gütesiegel und die zugehörige Urkunde an Amtsvorsteher Ulrich Hardtke.

„Ein schöneres Geschenk hätte der Sozialverband nicht machen können“, sagte Klaus Schlie in seinen Grußworten. Er wies daraufhin, dass die Gesellschaft weiterhin in der Pflicht sei, Barrierefreiheit für alle Teile der Gesellschaft zu erreichen. „Inklusion wird oft missverstand und mit 'Gleichmacherei' verwechselt“, wies Schlie darauf hin, dass kein Mensch dem anderen in seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen gleiche. Gleich seien jedoch alle Bürger vor dem Gesetz und dieses Recht gelte es im Alltag umzusetzen und mit Leben zu erfüllen. Schlie: „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Der Landtagspräsident hob den Neubau, der den Verwaltungssitz des Amtes Sandesneben-Nusse beherbergt, als Leuchtturmprojekt vor. Die architektonischen Vorstellungen von Barrierefreiheit seien hier voll aufgegangen.

Ebenfalls viel Lob und das "Gütesiegel für ein besonderes Engagement für die Teilhabe von behinderten und älteren Menschen in der Gesellschaft“ erhielt Ulrich Hardkte von der Vorsitzenden des SoVD-Kreisverband Herzogtum Lauenburg, Astrid Kosiolek.

Mit der Ehrung würdigt der SoVD die erfolgreichen Bemühungen der örtlichen Verwaltung, das Regionalzentrum durch eine vorausschauende Planung den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderungen anzupassen. Alle Büros in beiden Etagen sind barrierefrei zu erreichen. Darüber hinhaus ist der Aufzug mit einer kontrastreichen Beschilderung und seinen akustischen Hinweisen auch für seh- beziehungsweise hörgeschädigte Menschen gut bedienbar. Zudem ist das Behinderten-WC sehr gut ausgestattet, unter anderem mit Spülmöglichkeiten in den Haltegriffen.

„Das ist keine Selbstverständlichkeit, was Sie hier umgesetzt haben. Sie besitzen sogar einen barrierefreien Internetauftritt, das ist sehr selten“, war auch Ulrich Hase voll des Lobes für das Gebäude. Laut Hase gebe es zur Zeit in Schleswig-Holstein rund 520.000 Menschen mit einer Behinderung. „Die Zahl wird steigen“, sagte Hase mit Hinweis auf den demografischen Wandel voraus. „Aber eine Beeinträchtigung zu haben, wird daher auch normaler werden“, so der Landesbeauftragte. Im Zuge der Umsetzung der Inklusion ginge es darum, Vielfalt zu zulassen und Vorurteile in den Köpfen abzubauen. Hase: „Jeder darf seine Grenzen behalten, aber es darf niemand ausgegrenzt werden.“

Auch Astrid Kosiolek zeigte sich begeistert über das bauliche Konzept des Amtes: „Das Haus wurde mit viel Liebe und Verstand gebaut. Wir hätten gerne mehr davon. Das ist wirklich herausragend.“

„Was wir hier anstreben, kann nur ein Gemeinschaftswerk aller sein“, erklärte auch Kreispräsident Meinhard Füllner zum Thema Inklusion. Es sei wichtig, dass auch im ländlichen Raum dazu Diskussionen geführt werden. Das bauliche Engagment des Amtes Sandesneben-Nusse sei daher Ausdruck einer bürgerfreundlichen Verwaltung. Dennoch liege das Ziel der Inklussion auch in der Verantwortung eines jeden Einzelnen. Füllner: „Wir stehen vor einer unglaublichen politischen und gesellschaftlichen Herausforderung – einmal materiell, aber auch in den Köpfen der Menschen“, so der Kreispräsident, der das Regionalzentrum als „schönstes Amtsgebäude im Kreis Herzogtum Lauenburg“ bezeichnete.

„Wir haben um jedes Detail gerungen“, ließ Amtsvorsteher Ulrich Hardkte den Planungprozess der Gebäudes noch einmal Revue passieren. Er dankte zudem allen Gemeindebürgermeistern, die das Projekt mit auf den Weg brachten.
Im Anschluss an die Grußworte und dem Überreichen des Gütesiegels folgte noch eine kleine Podiumsdiskussion, zu der als Gast Bernd Eickemeyer eingeladen war. Eickemeyer, selbst Rollstuhlfahrer, ist zweifacher Paralympicssieger im Brustschwimmen von 1988 und 1992. Aktuell ist er Spieltrainer der Nusse Rams, einem überregional erfolgreichen Rollstuhlbasketballteam unter dem Dach des Nusser TSV. Ulrich Hardtke befragte zusammen mit Meinhard Füllner und Klaus Schlie den Nusser Trainer neben seinem sportlichen Werdegang zu seinen Erfahrungen im Bereich der Inklusion. „Rollstuhlbasketball ist die Inklusionssportart schlechthin“, antwortete Eickemeyer. Bei der Sportart, die von allen Beteiligten im Rollstuhl sitzend ausgeübt wird, können behinderte wie nichtbehinderte Menschen teilnehmen, zudem sind mehrgeschlechtliche Teams erlaubt und an der Tagesordnung. Er selbst sitze seit 40 Jahren im Rollstuhl. „Die ersten Jahre waren noch wie in der Steinzeit und man führte Diskussionen darum, ob man Bürgersteige abflachen sollte. So gesehen sind wir schon sehr weit. Es hat sich was bewegt. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel“, so Bernd Eickemeyer.

Hintergrund

Im Zuge der Fusion des Amtes Sandesneben und des Amtes Nusse wurde der Neubau eines Regionalzentrums beschlossen. Seit 2012 wird in den Räumen des Regionalzentrums für über 15.000 Einwohner, 25 Gemeinden und 6.580 Haushalte gearbeitet und ist damit die zweitgrößte Amtsverwaltung im Kreis Herzogtum Lauenburg. Architektonisches Ziel der Planung war, ein bürgernahes offenes Regionalzentrum zu schaffen, das nicht als abstraktes Verwaltungsbüro wahrgenommen wird. Im Regionalzentrum befinden sich eine Bücherei, die Sozialstation Berkenthin-Sandesneben, eine Polizeistation und die Volks- und Raiffeisenbank. Außerdem finden regelmäßige Sprechzeiten des SoVD, der Rentenberatung, der Schuldnerberatung, dem Betreuungsverein Herzogtum Lauenburg und dem Jugendamt statt. Amtsvorsteher ist seit 2008 Ulrich Hardtke, der zugleich Bürgermeister der Gemeinde Labenz ist.