Share |

Serie: 150 Jahre Kreise in Schleswig-Holstein

Teil 7: Archiv des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe – Ein Archiv mit Stammbaum
Das Archiv des Zementherstellers Alsen wird im Kreisarchiv aufbewahrt. Fotos: Bettina Albrod

Von Bettina Albrod

Die Spuren des Archivs des Kreises Steinburg und der Stadt Itzehoe reichen bis nach Amerika: Dort hat die Glaubensgemeinschaft der Mormonen ihren Sitz, die mit dem „FamilySearch-Katalog“ eine Datenbank im Internet geschaffen hat, in der Angaben zu Familien weltweit eingestellt sind. Hier sind – streng nach gesetzlichen Vorgaben - auch die Daten aus den Personenstandsunterlagen aus dem Kreis Steinburg zu finden. „Wir konnten 2010 die Zweitbücher der Standesämter im Kreis übernehmen“, erläutert Kirsten Puymann, die seit Bildung des Gemeinschafts-Archivs 1985 für die Bestände zuständig ist. „Als die Mormonen anfragten, haben wir nach vorheriger Prüfung zugestimmt.“ Ein halbes Jahr lang hat ein Ehepaar aus Utah über 170.000 Aufnahmen von den Geburts-, Heirats- und Todeseinträgen gemacht, die seit diesem Jahr im Internet stehen. „Seither haben Anfragen zur Familienforschung vor allem aus dem Ausland stark zugenommen.“

Lehrer mit Weitblick

Das Kreis- und Stadtarchiv besteht aus zwei Archiven: dem Stadtarchiv Itzehoe und dem Kreisarchiv Steinburg. Das Itzehoer Stadtarchiv lässt sich bereits seit dem Jahr 1525 nachweisen. Das erste Mal geordnet wurde dieser Bestand Mitte des 18. Jahrhunderts. „Dafür“, so Kirsten Puymann, „waren traditionell Lehrer zuständig.“ Zu den ältesten Dokumenten, die sich im Stadtarchiv befinden, gehören die Stadtgründungsurkunde von 1238 und die Stapelrechtsurkunde aus dem Jahr 1260, die der Stadt Itzehoe ein Vorkaufsrecht bei den Waren einräumte, die störaufwärts transportiert wurden. Der einstige Wasserweg – 1974 zugeschüttet - soll nach dem Willen der Stadt wiederbelebt werden.  Im Stadtarchiv liegen ein wertvoller Urkundenbestand von 1238 bis 1400 und die Unterlagen der Stadtverwaltung ab dem 17. Jahrhundert.

Kirsten Puymann zeigt ein Faksimilie der Stadtgründungsurkunde von Itzehoe 1238.Die Geschichte des Kreisarchivs Steinburg ist wesentlich jünger. Sie beginnt mit dem Jahr 1958. Auch hier war es ein Lehrer, der ehrenamtlich die Akten betreute. „Es ist beeindruckend, was er alles gesammelt hat“, so die Archivleiterin, „er hat viele Überlieferungen aus den Schulen und die Gemeindeakten aus dem gesamten Kreisgebiet gesammelt und so die Grundlage des Kreisarchivs geschaffen.“ Die Schulunterlagen bilden einen umfangreichen Bestand, aus dem sich seit dem 18. Jahrhundert die Anfänge der Schulen auf den Dörfern ablesen lassen. „Dazu kommen die Schulchroniken, die immer auch auf die Umstände der Zeit und das Leben im alten Dorf eingehen.“

Neben der Überlieferung aus den kommunalen Verwaltungen des Amtes Steinburg und des Kreises Steinburg werden hier die Unterlagen des Kreises ab 1950 aufgehoben, ergänzt um Sammlungen von Schulen, Gilden, Deich- und Sielverbänden oder von Privatleuten.

Schatzsuche auf dem Dachboden

„Private Sammlungen sind das Extra, das die Archive zusätzlich zu den Informationen aus den Verwaltungsakten mit Leben füllt“, erklärt Kirsten Puymann.  Hier ist das Industriearchiv des einstigen Zementwerks Alsen in Itzehoe ein Beispiel, das 1982 stillgelegt wurde. „Ich habe ehemalige Arbeiter der Fabrik zu ihrer Geschichte befragt, dabei gab es interessante Ergebnisse.“ Aber auch Poesiealben, Plakate oder Zeitungsbestände, die auf Mikrofilm vorliegen, liefern Geschichte. Eine schöne Ergänzung ist auch das Familienarchiv einer regionalen Kapitäns-Dynastie oder die Fotosammlung des Itzehoer Fotografen Arthur Zachger von 1940 bis 1970.

Die Archivleiterin ist auch schon selber fündig geworden. Als sie eine Anfrage zu dem ehemaligen Erziehungsheim Schloss Heiligenstedten in Itzehoe bekam, fand sich der Bestand des Kreisgesundheitsamtes von 1933 bis 1945 auf einem Dachboden, der später wissenschaftlich aufgearbeitet wurde. Neben der Mitarbeit an dem jährlich erscheinenden Steinburger Jahrbuch des Heimatverbandes des Kreises Steinburg sind unterschiedliche Veröffentlichungen von ihr recherchiert worden, so zur ersten Ärztin des Kreises Steinburg  oder zur Herkunft der weiblichen Straßennamen im Kreis Steinburg.

Vielfältige Öffentlichkeitsarbeit

Kirsten Puymann sieht es auch als Aufgabe, Daten und Fakten  aus den Archivdokumenten  für die Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen und so das Image der Archive zu entstauben.  Als Geschenk zu Jubiläen oder Geburtstagen bietet das Archiv Zeitungsseiten aus diversen Zeitungen an, die in eigens angefertigter Zeitungsleiste  überreicht werden können. Ein Stadtplan von Itzehoe zeigt auf der Rückseite die historische Stadtanlage, es gibt Kalender mit historischen Fotos, Ansichtskarten zu bekannten regionalen Persönlichkeiten und viele Veröffentlichungen, die auch in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Itzehoer Geschichte entstehen.

Schüler werden in einer Kooperation zwischen Archiv und Schule mit einer Mittelalter-Rallye in die Geschichte ihrer Stadt geschickt, die sowohl im Archiv mit geeigneten Materialien unterlegt ist als auch mit Besuchen an historischen Stätten untermauert wird. „Schon Kinder sehen auf diese Weise, dass Geschichte erlebbar ist“, sagt Kirsten Puymann, die auch immer wieder darauf hinweisen will, dass es keine Zukunft ohne Vergangenheit gibt und dass diese Vergangenheit für jeden und jede in Archiven erfahrbar ist.

Lesen Sie in der nächsten Folge was die Hochseeinsel Helgoland mit dem Kreisarchiv Pinneberg zu tun hat und das Archivare Listen mit alten Abkürzungen führen müssen.

Lesen Sie auch:

Teil 1: Das Gemeinschaftsarchiv Schleswig-Flensburg – Die Schwester der Kulturarbeit

Teil 2: Kreisarchiv Nordfriesland - Alles unter einem Dach

Teil 3: Gemeinschaftsarchiv Dithmarschen - Ein Archiv in 3-D

Teil 4: Kreisarchiv Rendsburg-Eckernförde - Ein Archiv im Aufbau

Teil 5: Kreisarchiv Plön - Ein Kreisarchiv macht Schule

Teil 6: Kreisarchiv Segeberg - Einer für alle und alle für Einen