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Spendenaufruf zum Erhalt des Ratzeburger Mahnmals I. Weltkrieg auf dem Röpersberg

(v.li.) Stadtarchivar Christian Lopau und Bürgermeister Rainer Voß erläutern die Schäden am Ehrenmal. Fotos: hfr

Ratzeburg (pm). Das Mahnmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs am Röpersberg, entworfen vom Architekten Wilhelm Heilig, bedarf dringend einer Instandsetzung. Beinahe 100 Jahre haben ihre Spuren an dem Mahnmal hinterlassen, auf dem die Namen von 144 jungen Ratzeburgern festgehalten sind, die als Soldaten im I. Weltkrieg starben. Die fünf Steinpfeiler, die rund um einen hohen, weitsichtbaren Erdhügel gruppiert sind und mit ihrer Inschrift für die fünf Kriegsjahre stehen, müssen dringend gegen eindringende Wurzeln und Wasser gesichert werden, um sie noch viele Jahre zu erhalten. und um fortschreitende Wasser- und Frostschäden an den Platten aus Muschelkalk zu verhindern.

„Die Pflege der schönen Baumallee und der Bäume am Denkmal selbst sowie der Anlage übernimmt natürlich die Stadt seit Jahren. Aber die Sicherung des Denkmals durch eine fachgerechte Bearbeitung und Reinigung wird etwa 6.000 € kosten, die im Haushalt nicht bereit stehen. Ich rufe daher alle, denen der Erhalt dieses Denkmals wichtig ist, zu Spenden auf. Bitte sprechen Sie mich direkt dazu an. Die Stadtkasse erteilt Spendenbescheinigungen und alle Spender werden auf einer Spendentafel am Mahnmal – wenn Sie es wünschen – erwähnt. Danke schon jetzt für Ihre Unterstützung", sagte Bürgermeister Rainer Voß.

Hans Winckelmann – Einer von 144 getöteten Soldaten aus der Stadt Ratzeburg

Wie wichtig der Erhalt des Mahnmals ist, zeigt sich ganz aktuell, im 100. Jahr nach Ausbruch des 1. Weltkrieges, an der Geschichte des Hans Winckelmann, einer der 144 Gefallenen, die auf dem Ehrenmal namentlich genannt sind. Der als vermisst geltende junge Ratzeburger wurde im März 2014 in der Nähe von Verdun bei Forstarbeiten zufällig aufgefunden. Einem der Arbeiter fiel dabei der obere Teil eines deutschen Stahlhelms ins Auge und wenig später konnten die Überreste eines deutschen Soldaten geborgen werden. Der Soldat lag auf dem Rücken, seine rechte Hand dem Gesicht zugewandt. Nicht nur das Skelett des Gefallenen wurde freigelegt, sondern auch die Reste seiner Ausrüstung: Gasmaske, Uniformknöpfe, Karabiner, eine Schere, ein Löffel, eine Gabel. Das Wichtigste jedoch, der Soldat trug noch seine Erkennungsmarke, mit der sich seine Identität feststellen rasch feststellen ließ. Es handelt sich um Hans Winckelmann aus Ratzeburg.

Recherchen des Stadtarchivs ergaben, dass die Familie Winckelmann seit 1908 in Ratzeburg lebte, zunächst in der Gr. Wallstraße, dann in der Schrangenstraße. Der Vater war Buchhalter. Hans Winckelmann hatte fünf Brüder und zwei Schwestern. Die Kinder wurden alle in Kertel auf der Insel Dagö geboren (heute Kärdla / Hiiumaa / Estland). Wie seine älteren Brüder wurde auch Hans Soldat. Wie Hunderttausende deutscher und französischer Soldaten wurde er vor Verdun eingesetzt. Der Ort, in dessen Umgebung wohl 143.000 Deutsche und 162.000 Franzosen ihr Leben verlieren, wurde zu einem Symbol des mörderischen Stellungskrieges. Hans Winckelmanns Bruder Karl war dort, gerade 20 Jahre alt, Ende Mai 1916 in einem Feldlazarett gestorben. Vermutlich am 20. August 1917 traf auch Hans ein tödliches Geschoss. Nun soll er ganz in der Nähe seines Bruders seine letzte Ruhestätte finden. Nachkommen der Familie Winckelmann haben sich bislang nicht ausfindig machen lassen.

„Diese Begebenheit zeigt einmal mehr, wie viel Bedeutung den Ehrenmälern noch zukommt, als Mahn-, Lern- und Erinnerungsorte, an denen sich das Leid des 1. Weltkrieges ablesen lässt – 144 Namen allein in Ratzeburg, eine große Zahl für eine Stadt mit damals nicht einmal 3.900 Einwohnern.“, sagte Stadtarchivar Christian Lopau.