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Straßen im Herzogtum: Wo wird 2017 gebaut und wo herrscht Stillstand?

Auch 2017 können sich die Autofahrer im Kreisgebiet wieder auf die eine oder andere Baustelle freuen. Foto: Friedrich J. Flint

Herzogtum Lauenburg (aa). Um den Planungsstand von Straßensanierungen und -neubauten im Herzogtum Lauenburg ging es im Rahmen einer Infoveranstaltung des Landesbetriebes für Straßenbau und Verkehr, zu der unter anderem zahlreiche Bürgermeister und leitende Verwaltungsbeamte des Kreises eingeladen waren. Der anwesende Personenkreis wurde jedoch nicht nur darüber in Kenntnis gesetzt, wo 2017 in der Region wieder Bagger und Asphaltmaschinen rollen werden, sondern auch  welche Projekte aktuell stagnieren und wo hier 'der Schuh drückt'.

Mit Ratzeburg, Lauenburg, Schwarzenbek und Geesthacht zählte der Direktor des Landesbetriebes, Torsten Conradt, zunächst alle Ortsumgehungen auf, die im Kreis Herzogtum Lauenburg ganz oben auf dem Wunschzettel stehen. Für Schwarzenbek und Geesthacht hatte Conradt mehr oder minder gute Nachrichten im Gepäck. Die Planungen für die Umgehungsstraßen beider Städte werden aktuell aktiv bearbeitet. Für die Schwarzenbeker soll allerdings nur der 'zweite Bauabschnitt' realisiert werden, und nicht die ganze Umgehung. Ob hier der Bundesrechnungshof zustimmt, ist noch offen. Auch müsse man abwarten, ob es von Anwohnern zu Klagen käme. Hier wolle man aber laut Conradt bereits im Vorwege das Gespräch mit den Betroffenen suchen und gemeinsam Lösungen finden. Sollte dann niemand Einwände haben, könnte im Laufes des Jahres 2018 mit dem Bau begonnen werden.

Für Geesthacht hofft Conradt, bereits Ende 2017/Anfang 2018 mit der Planfeststellung nach Klärung der Planungskompetenzen zwischen Land und Bund bezüglich eines Teilstücks der A 25 loslegen zu können.

Ernüchternd sind hingegen die Nachrichten für Ratzeburg und Lauenburg. Zwar ist die Lauenburger Umgehung im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehen, doch die Planungen lägen aktuell auf Eis. Der Grund: Mangelnde Planungskapazitäten beim Landesbetrieb. „Wir brauchen ganz massiv mehr Nachwuchs, um mehr Planungen auf den Weg bringen zu können“, beschrieb Conradt den Fachkräftemangel seiner Behörde. Doch das Land brauche mehr Planer, die dafür sorgen können, dass die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel auch verbaut werden. Bis 2020 würden laut Torsten Conradt 250 Mitarbeiter des Landesbetriebes in den Ruhestand gehen, was die Situation stetig verschlimmern könnte. Doch neue Planer sind auf dem Arbeitsmarkt schwer für einen Arbeitsplatz beim Land Schleswig-Holstein zu begeistern. Das Problem: Planer bekommen vom Land weniger Gehalt als vom Bund oder den Kommunen. „Das Land ist schon seit Jahren nicht wettbewerbsfähig“, merkte der ebenfalls anwesende FDP Landtagsabgeordnete Christopher Vogt an. „Wir müssen daher auch raus aus den Strukturen des öffentlichen Dienstes, sonst können wir nicht wettbewerbsfähig sein. Wir müssen auch das Planungsrecht schlanker machen“, ergänzte CDU-Landtagsmitglied Klaus Schlie.

„Wir können als Lauenburger mit dem Planungsstand nicht zufrieden sein“, sagte Bürgermeister Andreas Thiede. Und auch Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß sparte nicht mit Kritik. Die Ortsumgehung der Kreisstadt steht zwar auch auf dem Bundesverkehrswegeplan, doch zum Problem der knappen Planungskapazitäten des Landes kommt bei den Ratzeburgern ein weiteres hinzu. Voß: „Seit fast zwei Jahren liegt die Aufgabe beim Bund, einen Sichtvermerk abzugeben.“ Solang dies nicht geschehe, könnten die Planungen seitens des Landes gar nicht weitergehen. „Aus Ratzeburger Sicht ist das unerträglich“, machte Rainer Voß seinem Unmut Luft.

Dennoch dürfen sich die Autofahrer im Lauenburgischen auch in 2017 wieder auf die eine oder andere Baustelle freuen. „Wir versuchen immer Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, versicherte Jens Sommerburg, Niederlassungsleiter des Landesbetriebes in Lübeck, bevor er die Maßnahmen aufzählte. So steht dieses Jahr wieder die B 207 auf dem Programm. Ab dem zweiten Quartal wird zwischen Breitenfelde und Mölln-Nord gebaut. Während Richtung Norden einseitig die Baustelle durchfahren werden kann, soll es Richtung Süden Umleitungen geben.

Weiter sollen im Mai die Autobahnrampen an der A 20 bei Groß Sarau erneuert werden und  Ende April die Arbeiten an der Tank- und Rastanlage Gudow an der A 24 abgeschlossen werden.

Zum Abschluss gebracht werden sollen auch die Arbeiten an der L 200 bei Koberg. Unter anderem müssen noch die Ortsdurchfahrten beendet werden und der Abschnitt auf Höhe des Koberger Moores steht auf dem Programm. Diese Maßnahmen sollen bis November 2017 beendet sein. In Vorbereitung steht zudem noch die Erneuerung der Fahrbahndecke der L 222 zwischen Koberg und Nusse. Einen Termin konnte Sommerburg hier allerdings noch nicht nennen.