Share |

Traumatisierte Flüchtlinge besser versorgen

Regionales Netzwerk im Lauenburgischen gegründet
Landrat Dr. Christoph Mager betonte bei seiner Begrüßung der 80 anwesenden Personen, dass über die vergangenen Jahre zirka 3.500 Asylbewerber im Kreis aufgenommen worden sind. Fotos: Kreis

Herzogtum Lauenburg (pm). Die Koordinierungsstelle zur integrationsorientierten Aufnahme von Flüchtlingen (KosiA) der Kreisverwaltung hat in der vergangenen Woche in Ratzeburg mit dem "PARITÄTISCHEN" das „Regionale Netzwerk zur Versorgung traumatisierter Flüchtlinge“ im Kreis Herzogtum Lauenburg gegründet. Ziel des Netzwerkes ist es, für alle in der Flüchtlingsarbeit tätigen Menschen eine Anlaufstelle für Informationen, Beratung und Hilfe zu bieten.

Angesprochen sind weiterhin ehrenamtlich engagierte Helfer, Ärzte und Kliniken, die Aktiven in den Beratungs- und Anlaufstellen der Wohlfahrtsverbände wie Diakonie, AWO, DRK u.a., als auch die hauptamtlich Beschäftigten in den Verwaltungen. Das erste Netzwerktreffen findet bereits am 27. März statt. Spontan haben sich bereits 40 Personen bereit erklärt zukünftig an einem Netzwerkaufbau mitzuwirken. Inhaltlich wird es in der ersten Sitzung um die Besetzung eines die inhaltliche Arbeit der Koordinierungsstelle steuernden Begleitausschusses, die Jahresplanung 2017 und die Festlegung von Fortbildungsthemen gehen. Für dieses Jahr sind noch zwei Netzwerktreffen und eine Fachtagung angedacht.

Landrat Dr. Christoph Mager (Foto re.) betonte bei seiner Begrüßung der 80 anwesenden Personen, dass über die vergangenen Jahre zirka 3.500 Asylbewerber im Kreis aufgenommen worden sind. Je nach unterschiedlicher Sichtweise gehen Fachleute davon aus, dass zwischen 25 und 40 Prozent der Geflüchteten Traumatisierungen aufweisen. „Rechnen wir dies einmal auf unsere Zahlen hoch, kommen da viele Menschen noch zu den ohnehin schon vorhandenen inländischen Patienten dazu. Dies macht deutlich, welch entlastenden Stellenwert ein Netzwerk für die Versorgung traumatisierter Flüchtlinge haben kann“, so Landrat Mager weiter.

Krystyna Michalski vom "PARITÄTISCHEN" und Andreas Bockholt von der KosiA stellten in ihren Impulsvorträgen heraus, weshalb überhaupt in den Kreisen Netzwerke zur Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen gegründet werden. „Der Kreis Herzogtum Lauenburg sei der fünfte Kreis seit 2015 wo mit Hilfe des "PARITÄTISCHEN" Netzwerke dieser Art ins Leben gerufen werden“, so Michalski. „Und auch wir als Kreis haben aus den Regionalkonferenzen des vergangenen Jahres einen Arbeitsauftrag mitgenommen, dass wir uns verstärkt um dieses Thema kümmern sollen“, ergänzt Andreas Bockholt von der KosiA.

Der fachliche Teil lag in den Händen von Angelika Piosinski, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie aus Mölln und Hajo Engbers, Psychologischer Psychotherapeut aus Kiel. Beide konnten aus ihren praktischen Erfahrungen mit Geflüchteten berichten. Angelika Piosinski ging dabei auf die Fluchtursachen und den damit verbundenen traumatischen Erfahrungen ein. Hajo Engbers sprach unter anderem auch die vielen unterschiedlichen traumaassoziierten Symptome wie Schlafstörungen und die sogenannten „Flashbacks“ an. Beide wiesen in ihren Statements darauf hin, dass die Regelversorgung nur unzureichend auf traumatisierte Flüchtlinge vorbereitet war und heute noch ist. Sie machten deutlich, dass die Geflüchteten nach der EU-Aufnahmerichtlinie als besonders schutzbedürftig gelten.

Diana Bauder von der Diakonie und Marcus Worm von der AWO vermittelten die Ziele von Netzwerkarbeit und welche Motivationsgründe für Vernetzungsarbeit bei Betroffenen und Beratern, Ehrenamtlichen und Akteuren im Gesundheitswesen vorhanden sind. Beide betonten, dass es das Ziel des Netzwerkes sei, den Betroffenen geeignete Hilfen vor Ort zu bieten und Ansprechpartner für Behörden, Ärzte u.a. zu sein. Krystyna Michalski und Andreas Bockholt betonten am Ende, dass auch weiterhin allen Interessierten die Teilnahme am Netzwerk offen stehe. „Wir freuen uns über weiteren Zuwachs“, so beide abschließend.