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Volles Haus im Montagskino des Filmclubs Burgtheater Ratzeburg: Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" beeindruckte viele Zuschauer

Ratzeburg (pm). Über ein großes Publikumsinteresse am Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" konnten sich Eduard Wehmeier vom Filmclub Burgtheater Ratzeburg und Regisseur Peter Ohlendorf bei der jüngsten Vorführung des Montagskinos freuen. Der rote Saal des Burgtheaters sei noch nie so gut gefüllt gewesen, begrüßte Wehmeier die rund 100 Gäste, von denen einige aufgrund von Platzmangel sogar abgewiesen werden mussten.

Für Regisseur Peter Ohlendorf war die Freude über den prall gefüllten Saal nicht ganz neu, konnte er doch bereits mehrfach feststellen, dass sich der Dokumentarfilm, der ohne Filmförderungen entstanden ist und von vielen Fernsehredaktionen zunächst mit Desinteresse behandelt wurde, seit der öffentlichen Würdigung auf der Berlinale 2012 von unten in den kommunalen Kinos immer mehr durchsetzt. Der Film, der ungeschminkt das konspirative Milieu von Rechtsrock-Konzerten in Deutschland und dem benachbarten Ausland darstellt, konnte die Erwartungen des in großen Teilen jungen Publikums mehr als erfüllen. Die neunjährigen Filmrecherchen des Journalisten Thomas Kuban, der mit verdeckter Kamera die extreme Gewaltbereitschaft und immer wiederkehrende Volksverhetzung einfing, gaben einen bedrückenden Einblick in eine rechtsextreme Erlebniswelt, die von behördlicher Seite aber auch in den Medien vielfach ignoriert oder stillschweigend toleriert wird, obwohl dort regelmäßig Straftaten in erheblichem Umfange dokumentiert werden können. Volksverhetzende Texte wie im Lied "Blut muss fließen", welches „zum festen Repertoire vieler rechtsextremer Bands gehört“ und „Repräsentations- oder Identitätssymbol der radikalen Kreise“ ist, sind auf diesen Konzerten der Regelfall wie auch das Entbieten des Hitlergrußes unter "Sieg Heil"-Gegröle und das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole.

Das Publikum zeigte sich nach der Filmvorführung zunächst sprachlos und betroffen über die Selbstverständlichkeit, mit der Neonazi ihre Ideologie und Lebenswelt in Deutschland nahezu ungestört ausleben können. Regisseur Peter Ohlendorf (siehe Foto) gelang es jedoch nachfolgend eine rege Diskussion zustande zu bringen, die sich im Kern um die Fragen drehte, worin für junge Menschen eine Attraktivität solcher Veranstaltungen liegen kann und warum dieses Phänomen in vielen gesellschaftlichen und staatlichen Bezügen unterbelichtet oder ausgeblendet wird, anstatt diesem Treiben offensiv den Boden zu entziehen, wie es beispielsweise die Berliner Polizei seit längerem erfolgreich praktiziert. Ein Zuschauer brachte diese Kritik auf den Punkt, in dem er auf den Widerspruch hinwies, dass einerseits der Einzelne sich zivilcouragiert zeigen und einsetzen soll, diese Zivilcourage auf den weiteren gesellschaftlichen Ebenen der Politik, der Medien und der Sicherheitsbehörden aber immer mehr nachlasse: "Diesen Extremismus und Hass können wir doch nur in den Griff bekommen, wenn alle gesellschaftlichen Instanzen gleichermaßen sich dagegen stellen und nicht nur engagierte Bürger in ihren kommunalen Bündnissen."

Die Veranstaltung wurde unterstützt vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein, der Bürgerstiftung Ratzeburg und dem Ratzeburger Bündnis.