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Willkommenskultur (er)leben - neu gegründete Flüchtlingsinitiative lädt zum Café International ein

„Café International“ in Sandesneben war ein voller Erfolg. Foto: hfr

Sandesneben (pm). Ob aus Syrien, Siebenbäumen, Nusse, Afghanistan, Labenz oder anderswo – beim „Café International“ ist jede(r) herzlich willkommen. Los geht es am Freitag, 23. Januar, ab 16 Uhr im Gemeindehaus, Altes Dorf 5 in Sandesneben. Bei Kaffee, Kuchen, Tee und Spielen haben hier neue und alte Mitbürger aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg die Gelegenheit, fremde und bereits liebgewonnene Kulturen kennen zu lernen.

„Bereits die erste Veranstaltung dieser Art war ein voller Erfolg. Rund 80 Menschen jeglicher Couleur und jeglichen Alters folgten der Einladung zum Café International kurz vor Weihnachten“, so Pastor Stefan Wilmer aus Sandesneben. Nun soll das interkulturelle Café einmal monatlich stattfinden.

Mehr als ein Zeichen gegen Vorurteile

In Zeiten von Pegida und Co. sind derartige Aktionen ein wichtiges Signal. Aber es geht um mehr: Nämlich darum, Integration zu leben und Flücht-lingen in unserer Region aktive Hilfe zu bieten. Gemeinsam mit den Kirchengemeinden Sandesneben und Nusse-Behlendorf sowie Ehrenamtlichen des Vereins „Hoffnungsgrund“ rief das Amt Sandesneben-Nusse daher interessierte Bürger zu Flüchtlingspatenschaften auf. Mit Erfolg: „Bislang haben sich schon 55 Menschen als Paten bei uns gemeldet“, sagt Sozialamtsleiter Sebastian Flint.

Aufgabe besagter Paten ist es, die Asylsuchenden in ihrem Alltag zu begleiten – beispielsweise beim Gang zum Arzt oder zur Behörde. Auffallend dabei ist, wie viele ältere Mitbürger sich engagieren. Vielleicht, weil einige von ihnen Vertreibung und Neuanfang selbst erlebt haben und wissen, wie wichtig ein freundliches Willkommen für den eigenen Lebensmut ist.

Praktische Hilfe

Bei einem ersten Treffen mit den Paten Ende November waren auch viele Bürger dabei, welche bereitwillig die Organisation von Veranstaltungen und Sachspenden, die Öffentlichkeitsarbeit oder die Erweiterung des Sprachangebots für Asylsuchende übernahmen. „Die erste Flüchtlingsinitiative in unserer Region ist damit gegründet. Jetzt fehlt ihr nur noch ein Name“, sagt Flint lächelnd.

Weniger als ein halbes Prozent

„Im Raum des Amtes Sandesneben-Nusse leben derzeit 73 Flüchtlinge. Gemessen an den 15.000 Einwohnern, die wir hier zählen, sind das weniger als ein halbes Prozent“, erläutert Sebastian Flint die Situation. Bislang konnte jeder Ayslsuchende in Mietwohnungen untergebracht werden. Dies erweist sich als sehr positiv für alle Seiten: Schließlich zahlt das Amt die Miete, womit auch den Wohnungseigentümern Verlässlichkeit garantiert ist.

Zudem sind die Menschen, die zu Flüchtlingen wurden, eine Bereicherung für die Gemeinde – mit ihren schönen, aber auch sehr traurigen Geschichten. Zu ihnen gehört der 21jährige Syrer Hanan Issa, der vor vier Monaten nach Deutschland kam. Die Erinnerungen an Syrien schmerzen ihn sehr. Doch obwohl Hanan seine Heimat und seine Familie stark vermisst, ist er glücklich, in Schleswig-Holstein sicher vor den Tyraneien seines Landes zu sein. 

Seit Ende September besucht er das Berufsbildungszentrum Mölln und spricht bereits jetzt sehr gut Deutsch. Darüber hinaus beherrscht er fünf weitere Sprachen, was der Flüchtlingshilfe zugute kommt. So übersetzt er regelmäßig die Einladungen zum Café International. Und bei der kommenden Veranstaltung am 23. Januar ist das Sprachgenie selbstverständlich mit von der Partie.