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Windkraftgegner starten zweites Bürgerbegehren in Gudow

Gudow (pm).   Die Gemeinde Gudow steht zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten vor der Durchführung eines Bürgerbe­gehrens zum Thema Windenergie. Eine neue Unterschriftensammlung ist kurz vor dem Start, wie seitens der Bürgerinitiative BISS am Donnerstsag (2. November) mitgeteilt wurde.

In Folge des ersten werdenden Bürgerbegehrens in Gudow vor zirka einem Jahr hatten gegen den drohenden Bau von Windkraftanlagen (WKA) auf dem Gebiet der Gemeinde Gudow binnen weniger Stunden mehrere hundert Bürger sich für die Durchführung eines Bür­gerbegehrens durch ihre Unterschrift ausgesprochen (Herzogtum direkt berichtete). Die Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative BISS konnte von den Initiatoren abgebrochen werden, bevor sie eigentlich richtig begonnen hatte. Zum eigentlichen Bürgerbegehren kam es nicht mehr. Um den aufwendigen Bürgerentscheid zu verhindern, beschloss die Gemeindevertretung, den Initiatoren entgegenkommend, am 14. November 2016:

"Die Gemeinde Gudow spricht sich gegen die Errichtung von Windkraftanlagen auf den vom Land Schleswig-Holstein auf dem Gudower Gemeindegebiet ausgewiesenen Eignungsflächen (Vorrangflächen) aus." Man sprach sich damit dem Grunde nach gegen die Windenergie auf dem Gemeindegebiet aus.

Weiter berichtete die BISS: "Dem eigenen Beschluss-Signal widersprechend beschloss die Gemeindevertretung Gudow am 12. Juni 2017, dass auf dem gemeindeeigenen Gelände der Kläranlage Gudow neben einer Photovoltaikanlage eine Windkraftanlage (ca. 30 m hoch) entstehen soll. Unverhohlen wurde in der Gemeindevertretung aufgrund der fragwürdigen Wirtschaftlichkeit des Vorhabens (s.u.) der geplanten WKA diskutiert und beantragt, gleich noch mindestens eine zweite WKA daneben zu bauen."

Dass dieses Vorgehen der Volksvertreter von den wachsamen Mitgliedern der Bürgerinitiative nicht reaktionslos hingenommen wird, war abzusehen. Eine Folge: Aus der Bürgerinitiative heraus wurde bereits eine Wählergemeinschaft gegründet, die zukünftig nach den bevorstehenden Kommunalwahlen im Gemeinderat direkt mitwirken will. Zweite Folge ist ein bereits formell beim Amt Büchen eingereichtes neues Bürgerbegehren, welches den Bau von WKA im Bereich des Klärwerks zur Abstimmung der Wähler(innen) stellen soll.

Die Argumente der Windkraftgegner in Gudow sind unter anderem:

- Die Finanzierung der von der Gemeinde geplanten WKA´en solle zum Teil aus Abgaben-Rücklagen Abwasser (= zweckgebunden) erfolgen. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren enorme Rücklagen gehortet, die längst im Wege einer Abgaben-Senkung an die Haushalte hätten zurückgegeben werden müssen.

- Laut zertifizierter 16-wöchiger Messung sei an dem geplanten Standort Klärwerk nur eine "mäßige" Windaktivität gegeben; somit würde sich die WKA allein erst nach über 20 Jahren rentieren. Die Bürgerinitiative spricht sich für den Bau alleine einer Photovoltaikanlage auf dem Kläwerkgebiet aus.

- Den veranschlagten Baukosten der WKA in Höhe von etwa 111.860,00 Euro brutto stehe ein jährlicher Ertrag von geschätzten 24.000 Kilowattstunden gegenüber; die geplante Photovoltaikanlage kostet die Abgabenzahler voraussichtlich nur 36.652 Euro brutto bei einem jährlichen Ertrag von erwarteten 23.688 Kilowattstunden. Eine Photovoltaikanlage alleine sei wirtschaftlicher.

- Auch wäre in der Gemeindevertretungssitzung ernsthaft diskutiert wurden, im Interesse der Windkraftgewinnung alten Baumbestand zu fällen, der nicht einmal im Eigentum der Gemeinde steht.

- Die WKA sollen mitten im Flug-, Jagd-, Brut- und Lebensraum zahlreicher schützenswerter Vogel- und Tierarten entstehen, die zum Beispiel auf der roten Liste stehen. Die Gemeindevertretung habe sich vorab nicht einmal über naturschutzrechtliche Belange zum Beispiel beim NABU informiert.

- Verbraucher in Deutschland zahlten bereits vergangenes Jahr 643 Millionen Euro für Windstrom, den es gar nicht gab: Ursache sei der "Murks beim Netzbau" (so Bild vom 26.10.2017). Windräder produzierten in Deutschland mehr Energie, als benötigt wird/verarbeitet werden kann. Viele WKA seien daher zum Teil gar nicht am Netz; Strom werde kostenlos ins Ausland verschenkt zum Schutz der Stromnetze vor Überlastungen. Trotzdem erhielten die Betreiber der Leerlauf-Räder ihre garantierten Entschädigungen, die die deutschen Verbraucher mit ihren Strompreisen mit zahlen. Den "Windräder-Wahnsinn" beziehungsweise Betrug am Wähler wollten die Mitglieder der Bürgerinitiative nicht mitmachen. Es gehe nicht mehr um die Stromgewinnung, sondern um das Abgreifen von Förder- und damit Steuergeldern.

- Dass von WKA auch für Menschen diverse gesundheitliche Gefahren ausgingen, würde in dem früheren Vorreiterland in Sachen Windenergie Dänemark mittlerweile erkannt und habe dort zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt. Die früheren Fehler in Dänemark müssten hier nicht nachgemacht werden.