Share |

Wohin mit verletzten Wildtieren?

Erfolgsprojekt Auffang- und Pflegestation für Fundtiere aus der freien Wildbahn im Möllner Wildpark
Wenn alles gut geht, wird dieser Bussard bald schon wieder in die Freiheit entlassen werden können. Fotos: hfr/Anders

Mölln (aa). Die Geflügelpest und die damit einhergehenden Schutzmaßnahmen haben den Kreis Herzogtum Lauenburg nach wie vor fest im Griff. Auch für die 'Auffang- und Pflegestation für Fundtiere aus der freien Wildbahn' im Möllner Wildpark ist aktuell starken Einschränkungen unterworfen.

 

Die Auffang- und Pflegestation im Möllner Wildpark ist ein seit 2008 bestehendes Kooperationsprojekt der Kreisjägerschaft und der Stadt Mölln. Hier werden abseits der Öffentlichkeit verletzte Tiere aus der freien Wildbahn aufgenommen, gepflegt und nach Möglichkeit wieder ausgewildert. Hierfür steht eine große Auffang- und Pflegevoliere zur Verfügung. Das 90 Quadratmeter umfassende Gebäude enthält drei ruhige Räume, in denen verletzte Tiere behandelt werden und ungestört genesen können. In einer großen, auch für den Freiflug geeigneten Voliere haben die genesenen Tiere genügend Bewegungsspielraum, um sich für das weitere Leben in Freiheit zu kräftigen.

 

Normalerweise läuft es so, dass jede Person, die ein verletztes Tier innerhalb des Kreises Herzogtum Lauenburg findet, Kontakt mit der Auffangstation aufnehmen kann. Werktags übernehmen das die Wildparkbeschäftigten der Stadt Mölln (Tel.: 04542-8030), am Wochenende die Kreisjägerschaft mit Thomas Schwichtenberg. Aufgrund der Geflügelpest dürfen aktuell jedoch keine Tiere außerhalb des Sperr- und Beobachtungsgebiets (siehe Karte) angenommen oder ausgewildert werden. Auch für die Arbeit innerhalb der Pflegestation beziehungsweise der Voliere gelten zur Zeit besondere Schutzmaßnahmen. So sind zum Beispiel die Schuhe vor und nach Betreten des Gebäude zu wechseln. Für Tiere, die im Verdacht stehen, mit der Geflügelpest inviziert zu sein, ist das Ordnungsamt zuständig. Dadurch werden zum Beispiel Wasservögel aktuell nur in Mölln aufgenommen, wenn sie offensichtliche Verletzungen haben.

 

Auch allgemein werden in erster Linie nur verletzte Tiere, aber keine kranken aufgenommen. „Nicht jedes Tier, das hilflos ist, ist ein Fall für die Auffangstation“, erklärt Jörg Thun vom Möllner Forst- und Grünflächenamt. Es gilt: Erst einmal beobachten. Ein kleiner Uhu, der aus seinem Nest gefallen ist, wird häufig auch an seiner neuen Position von seinen Eltern weiterversorgt. Wer unsicher ist, sollte anrufen, bevor er handelt. Manchmal müsse man der Natur auch ihren Lauf lassen. „Die Natur regelt es oft von allein“, so Roland Franz (Wildpark Uhlenkolk). Sollte sich am Ende tatsächlich herausstellen, dass ein Tier ein Fall für die Auffangstation ist, bittet Roland Franz, die Tiere zunächst einmal (sofern möglich) zum Tierarzt zu bringen. Erst im Anschluss kommt der Patient zum Aufpäppeln in die Auffangstation

Im Inneren der Pflegestation haben Vögel die Möglichkeit wieder erste Flugversuche zu unternehmen.

 

Hauptsächlich landen Vögel in der Auffangstation. Aber auch Säugetiere wie Steinmader, Eichhörnchen und Fuchs, waren schon zu Gast. In den zurückliegenden Jahren wurden in der Einrichtung regelmäßig 20 bis 30 Tiere pro Jahr betreut. Etwa die Hälfte der Tiere konnte nach Tagen oder Wochen der Pflege wieder gesundet und gekräftigt in die freie Wildbahn entlassen werden – für häufig nicht nur geschwächte, sondern auch verletzte Tiere, wird dies als gutes Ergebnis angesehen. Nach dem aktuellen Bericht für 2016 wurden 27 Tiere angeliefert, davon konnten 17 Tiere wieder ausgewildert werden, zehn Tiere konnten nicht gerettet werden, weil zum Beispiel zu starke innere Verletzungen vorhanden waren.

 

Aktuell werden drei Tiere in der Einrichtung betreut. Dies sind ein Schwan und zwei Bussarde, die Anfang Januar im Möllner Raum pflegebedürftig aufgenommen wurden.

 

„Diese Einrichtung, diese Idee mit der Kooperation mit der Kreisjägerschaft ist ein enormer Erfolg.“, sagt Jörg Thun. „Die Kreisjägerschaft allein hätte das nicht initiieren können“, ergänzt Andres-Peter Ehlers, Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Nur in der Parterschaft mit der Stadt Mölln sei dieses Projekt möglich. „Für uns Jäger ist das eine tolle Sache“, so Ehlers abschließend.